“ Sie lachte ihn an, ihre Augen strahlten wie die eines frisch verliebten Teenagers, der in der Tanzstunde völlig unerwartet von seinem heimlichen Schwarm aufgefordert wird. Auch er fühlte sich plötzlich als Teenager. Seine Knie waren ungewohnt weich, als er aufstand und seinen rechten Arm dezent um ihre Taille legte und ihre Hand in seiner Linken hielt, in gebührendem Abstand, so als wollte er Distanz schaffen. Er war in der Tat von Anas Vorschlag zu tanzen, überrascht worden und es war ihm fast ein wenig unangenehm, denn er war kein guter Tänzer, er konnte weder den Takt richtig halten noch gut führen, ein lausiger Gigolo. Und so war es auch jetzt. Er stakste herum, Ana führte, Ana war gut und er merkte, dass sie gern tanzte. Er hatte schon lange nicht mehr getanzt und auch früher, als er noch jünger und dynamischer war und auf der Suche nach dem anderen Geschlecht, tanzte er nur, um mit Mädchen in Kontakt zu kommen, um zu schäkern und zu flirten. Für ihn war das Tanzen allein nie Lustgewinn, nie Selbstzweck, selbst in der Tanzstunde hatten ihn die Bewegung, die Eleganz und Harmonie, der Einklang mit der Musik nicht so recht begeistert, das alles war ihm schon damals ziemlich egal gewesen und so war es geblieben. Tanzen, um das Tanzen willens, nein. Tanzen, um anzubaggern und dann abzuschleppen, ja. Jetzt also tanzen, nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, um wessen willen? Er ließ mit sich tanzen. Er dreht sich folgsam bei den langsamen Walzern und erinnerte sich an den „Wie-ge-schritt“ beim Tango und das Geknutsche bei den Rumbas. Aber Ana ließ sich durch seine Stocksteife nicht beirren. Sie führte ihn über das abgeschabte Parkett und er folgte ihr während Major Toms Raumschiff „völlig losgelöst von der Erde schwebte, völlig schwerelos“, gefolgt von Inga Humpes Ohrwurm: „denn die Liebe, Liebe, Liebe, Liebe, die macht viel Spaß, viel mehr Spaß als irgendwas.
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