Doch keine Fantasie hätte so innig, so intensiv sein können. Also musste es wahr sein.
Ich bewegte meinen Kopf ein wenig, so, dass ich ihn ansehen konnte. Und wusste, dass jetzt keine Worte mehr nötig waren. Er löste seine Hand aus dem Griff und fuhr mit seinen Fingern leicht über den Rücken meiner Hand. So, wie er es auch damals getan hatte. Er wollte wohl prüfen, ob es sich noch gleich anfühlte. Und ob es sich so wie damals anfühlte. Einfach richtig.
Als ich ihn ansah, bemerkte ich, dass sich in seinem Gesicht doch etwas verändert hatte. Da war die Müdigkeit, die ein ganzer Tag Arbeit im Restaurant mit sich bringt, die in seinen Zügen lag. Aber ich sah auch, dass das letzte Jahr Spuren hinterlassen hatte. Schatten, kleine Fältchen, an die ich mich nicht erinnern konnte. Natürlich, die Zeit war vergangen. Aber vor allem war sein Ausdruck ruhiger. Nicht mehr so euphorisch wie letztes Jahr. Doch das empfand ich als positiv. Er wirkte sicherer und auch reifer.
Er hob die Hand, strich mir über die Wange, und ich legte meine Finger auf seine.
„Ich habe dich vermisst“, sagte ich leise, um die Ruhe nicht allzu sehr zu durchbrechen. Aber ich konnte es eben nicht länger für mich behalten.
Sein Blick senkte sich kurz, dann wieder zu mir. „Ich habe es mir verboten.“
Ich schüttelte den Kopf. „Und jetzt?“
„Jetzt bist du hier und ich muss dich nicht mehr vermissen.“
Sein Lächeln war kaum sichtbar, und doch reichte es, um mir den Atem zu nehmen.
Er drängte mich sanft mit dem Rücken gegen die Bar. Ich berührte die kühle Marmorfläche, doch mir war einfach nur heiß. Als er sich dann vorbeugte, spürte ich noch, bevor er mich berührte, das Feuer der Vergangenheit. Es war wie damals. Der Geruch von Kaffee hing in der Luft. Er trug immer noch dasselbe Eau de Toilette, das ihn leicht nach Zitrone und Vetiver riechen ließ.
Rückkehr nach Rom
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