Tags darauf hatte Herr Lander sie herein gebeten. In der Küche stand eine Tasse dampfender Schokolade für sie bereit. So viel Aufmerksamkeit war Sabea noch nie zuteil geworden. Während sie den Kakao schlürfte, setzte Herr Lander sich zu ihr an den Tisch.
Sabea erzählte von ihren Schwestern, dem entbehrungsreichen Leben in der kleinen Hütte und von Lisa, der Ziege, die wegen einer Euterentzündung nicht mehr gemolken werden konnte. Sie schilderte diese Begebenheiten ohne einen Anflug von Wehklagen, sondern als Tatsachenbericht. So waren sie einander näher gekommen, das Ziegenmilchmädchen und der Bürgermeister.
Was Sabeas Herz beinahe zerriss, war die innige Liebe, die ihr Holger, der Fischerssohn, entgegen brachte. Er war vollkommen ahnungslos und wusste nichts über die aufkeimende Beziehung seiner Geliebten zum Bürgermeister. Holger und Sabea kannten sich seit frühester Kindheit und vertrauten einander zutiefst. Holger spielte oft in Sabeas Haar, hielt sie liebevoll im Arm, wenn sie traurig war, und die beiden hatten sich auch schon geküsst - wenngleich scheu und flüchtig. Sabeas zarte Brüste und ihr warmes Geschlecht waren Holger aber bisher verborgen geblieben. Sabea hatte Holger etwas viel Wertvolleres geschenkt: Ihre reine, schillernde Seele.
Eines Morgens führte Herr Lander Sabea in den Keller. Es handelte sich um ein geräumiges Gewölbe mit einer Grundfläche, die um ein mehrfaches grösser war als Sabeas Zuhause. Der Bürgermeister stiess eine geschickt im Mauerwerk getarnte Tür auf, und Sabea traute ihren Augen kaum. Die Wände im angrenzenden Raum waren mit roter Farbe bemalt; der Boden glänzte mattschwarz. In jeder Ecke des Kellergemachs brannte eine Fackel. Das Hauptaugenmerk zog ein breites, mit einem Brokatüberwurf gedecktes Bett auf sich, das mitten im sechseckigen Gemach stand.
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