Sabine und der Duschkopf

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Sabine und der Duschkopf

Sabine und der Duschkopf

Anita Isiris

Rauchglas-Zahnbürstengläser. Badespiegel, die ein mildes Bild zurückwerfen – also nicht dieses gestochen scharfe, das jede Frau noch nackter dastehen lässt, als sie es ohnehin schon ist“. Julius Silbernagl überlegte sich, ober er etwas von seiner Arbeit im Labor erzählen sollte – aber das war viel zu langweilig. „Komm, ich zeige Dir meine Wohnung... obwohl es gar nicht viel zu zeigen gibt“. Mit dem Finger fuhr Sabine über den Glaskeramikherd. „So etwas hätte ich auch gern“, seufzte sie. „Du willst doch schon einen flunderflachen Farbspektrenduschkopf, wenn ich mich richtig erinnere“, lachte Julius Silbernagl und legte kurz seinen Arm um Sabine. Diese versteifte sich – Julius zog seinen Arm sofort zurück. Übergriffig wollte er keineswegs sein – aber sein Verlangen nach der Frau, die da bei ihm in der kleinen Küche stand, steigerte sich mit jedem Wort, das sie an ihn richtete. Sabine trug eine hellgelbe Bluse, unter der man einen vermutlich schwarzen BH ausmachen konnte. Nicht die geschickteste Farbkombination, klar – aber auch Julius Silbernagl machte sich keine Vorstellung davon, wie wenig Verkäuferinnen tatsächlich verdienen. Sie ziehen einfach das an, was ihr spärlich bestückter Kleiderschrank hergibt.

„Ich habe alles mit dabei“, sagte Sabine kurzum, „sogar ein grosses Badetuch. Macht es Dir denn jetzt etwas aus, wenn ich bei Dir... dusche?“. Sie errötete, Julius lächelte sie an. „Das hatten wir doch schon vor Wochen vereinbart, dass Du bei mir duschen darfst“, sagte er kollegial, und Sabine atmete tief durch. Um die angespannte Situation etwas aufzulockern, zeigte Julius Sabine noch sein Schlafzimmer, den grössten Raum, den er hatte. Es war schlicht eingerichtet, an der Wand über dem Bett-Kopfteil prangte das Prisma von „Dark Side of the Moon“. „Pink Floyd“, sagte Sabine leise. „Ich bin gerade daran, mich an die aktuelle „Redux“-Version von Roger Waters zu gewöhnen, fügte sie an.

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