Sabine

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Ihre nackten Brüste lagen wie eingepasst in meinen Handflächen. Ich kreiste und ihre festen Warzen kratzten sanft auf meiner Lebens- und Kopflinie. Ich spürte, wie ihre Hände meine Erektion ergriffen, behutsam daran kneteten und rieben. Und dann fühlte ich – ganz vorn an der Spitze – die kühle Feuchte des Kondoms, den sie angesetzt hatte und mit gleichmäßigen Streichbewegungen abzurollen begann.

Sex muss nicht immer was mit Liebe zu tun haben. Und gerade, wenn die Liebe außen vor ist, werden die Gummipräservative gern ins Spiel gebracht. "Sex ohne Kondom mit fremden Personen ist wie Russisch Roulette" hat mal einer im Fernsehen gesagt.

Ich weiß nicht. Wenn ich vor die Wahl gestellt würde, mit einer fremden Person Sex ohne Kondom zu haben oder mit ihr Russisch Roulette zu spielen, entschied ich mich ohne Zögern für Sex. Und vor die Wahl gestellt, mit ihr gar nichts zu spielen oder Sex mit Kondom zu machen, bin ich grundsätzlich eher mehr für letzteres zu begeistern.

Drum sagte ich zu Sabine auch nicht: "Halt! Mit Kondom? Ne, ne, lass mal, dann lieber nicht."

Nein! Ich sagte gar nichts und half ihr dabei, das Gummimäntelchen zu enthemmen, als es sich auf halber Strecke irgendwie verklemmt hatte und nicht mehr richtig weiter wollte. Dies ist mitunter nicht einfach, wenn der Gummiring sich tief ins steife Glied gegraben hat und weder vor, noch richtig zurückrollen möchte. Und aufs Zurückrollen kommt es an! Denn die schon abgerollten Gummiabschnitte, die beim Vorrollen versehentlich wieder falschrum aufgerollt worden sind und dadurch das Weitervorrollen verhindern, müssen durch leichtes zurückrollen wieder abgerollt und sorgsam festgehalten werden, damit sie beim nächsten Weitervorrollen nicht wieder mit aufgerollt werden. Alles klar? Ich nahm diese aufwendige Arbeit ganz allein in meine Hände, und Sabine schaute zu, wie ich den Ring immer ein Stück zurück und zwei Stücke vor schob.

Irgendwann einmal, als ich das Hin- und Herschieben und Gefummel am verklemmten Kondom meiner Bettpartnerin überlassen hatte, hatte ich dabei einen Orgasmus gekriegt und war danach eingeschlafen.

So war es ganz gut, dass Sabine nichts tat. Allein ihr Anblick war aufregend genug. Ihre wohlgeformten Brüste, die gut bemessenen Hüften – usw. Ich hatte sie kurz zuvor in einer Disko oder so einem Szeneclub in Hamburg kennen gelernt. War mit ein paar Bekannten zu einer Ausstellungseröffnung in diese Stadt gereist und danach noch ein bisschen auf die Rolle gegangen, wie man in anderen Regionen zu sagen pflegt.

Und da hatte ich Sabine angequatscht, ob sie nicht wüsste, wo ich vielleicht übernachten könnte. Geschlagene drei Stunden hatte ich mich mit ihr dann bei Bier und Wein unterhalten, über dieses und jenes geplaudert, alles mit dem Risiko, am Ende doch noch eine Abfuhr zu erhalten. Doch dies Mal hatte ich, wie selten nur, Glück gehabt.

Manchmal frag ich mich, warum das so schwierig ist mit Sex ohne Liebe. Uns beiden hier in Hamburg war doch von vornherein klar, dass das Ganze nicht weiter, als über eine Nacht, hinausgehen würde. Warum mussten wir uns dann noch drei Stunden lang unterhalten. Ja, Gespräche machen auch Spaß un gehören dazu, aber dieses elend lange akustische Vorspiel nimmt doch dem darauf folgenden wahren Vorspiel nur unnötig Zeit. Diesem Vorspiel, das eigentlich nie aufhören sollte, wo man sich gegenseitig langsam die Kleidung abstreift, die Schenkel, Brustwarzen und Poritzen streichelt und Küsse auf die Klitoris und das Gegenstück gibt.

Die beiden Vorspiele hatten wir nun hinter uns gebracht, und ich hatte mittlerweile den Kondom bis zur Wurzel hin abgerollt. Es ging los mit der Haupsache. Sie packte meinen verpacken Schwanz mit der Hand, navigierte ihn zielsicher an die richtige Position und zog mich in sich hinein, indem sie ihre Hände auf meinen Arsch presste.

Obwohl auf den Kondomverpackungen immer mit "Gefühlsecht" und ähnlichen Slogans geworben wird, muss ich doch sagen, dass ich insbesondere kurz nach der Einfuhr erst mal überhaupt nichts spüre. Kein Temperaturunterschied und kein Feuchtigkeitsanstieg. Und so stellte ich mir wieder mal die Frage: "Bin ich jetzt drin? Nee. Nä?"

Ja! Doch! Ich war drin. Und wir bewegten uns so, wie man das eben so macht. Mal so mal so.

Bald lag ich auf dem Rücken und sie kreiste mit den Hüften auf mir, während meine Finger ihre Brüste verdrehten. Bald lagen wir seitlich, halb verknotet wie zwei Scheren, ineinander gesteckt und schoben uns umher. Am Ende blickte ich von hinten auf ihren Po, den ich kniend an mich zog, während sie ihren Oberkörper in der Bettdecke vergrub, die Fingernägel ins Laken krallte und die schönsten Töne dazu stöhnte.

So war das.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Ich hab irgendwann einen Orgasmus gekriegt und ich denke, sie auch. Am Morgen danach sind wir noch in ein nettes Café Frühstücken gegangen und danach bin ich wieder nach Berlin gefahren. Das war’s. Na ja – nicht ganz. Eine Kleinigkeit fehlt noch: Drei Wochen später haben wir noch einmal miteinander Telefoniert.

Sie rief mich an. Als erstes fragte sie, ob ich mich an sie noch erinnern könne. Ja klar: "Sabine bist Du, ich erinnere mich", sagte ich. Und sie sagte, dass es ihr unheimlich peinlich wäre, dass sie dafür auch nichts könne und das alles nicht gewollt habe, aber so sei es nun mal geschehen, eine wirklich dumme Sache, eigentlich gar nicht so schlimm wiederum, aber trotzdem ziemlich blöd auf der anderen, und sie müsse es mir jetzt sagen, nämlich, dass ich mich bei ihr mit Sicherheit wahrscheinlich angesteckt habe. Es wäre die Krätze.

So war es dann auch, und ich konnte mir endlich erklären, warum es an meinen Ellenbogen in letzter Zeit immer so komisch juckte. Krätze, eine Krankheit, von der viele glauben, sie sei aus dem vorletzten Jahrhundert und schon längst ausgerottet, ist noch gar nicht ausgerottet, und eigentlich auch keine richtige Krankheit.

Gemacht wird die Krätze nämlich von kleinen Krätzemilben. Diese Tierchen gehören zur Gattung der Spinnen und sind etwa einen halben Millimeter lang. Mit bloßem Auge kann man sie aber kaum erkennen. Die kleinen Tierchen spazieren dann auf der Oberfläche des Körpers umher und verspeisen auf dem Weg hier und da mal irgend was, was da so zu finden ist.

Die Krätzemilbenmädchen suchen sich dann irgendwann einen schönes Plätzchen, wo sie sich in die Haut reinknappern und eingraben. Allerdings nur mit dem Kopf und dem Oberkörper, so dass der Po noch rausguckt.

Die Krätzemilbenjungen marschieren auch durch die Gegend, und wenn sie irgendwo einen rausguckenden Po finden, gehen sie da hin und machen das, was Sabine und ich in Hamburg auch gemacht haben, nur, dass sie sich vorher keine drei Stunden lang unterhalten und auch keine Kondome benutzen. Und, weil sie keine Kondome benutzen, werden es mit der Zeit immer mehr. Und weil sie Eier legen, die sie unter der Haut vergraben, juckt das eben.

Manchmal wechseln die Krätzemilben auch ihren Wirt. Zum Beispiel dann, wenn sich zwei Wirte, wie Sabine und ich, beim Sex aneinander reiben. Da kann ein befruchtetes Krätzemilbenmädchen auf ihrer Brust draufsitzen, ich lege meinen Hals auf die Brust und schon hab ich das Viech am Hals.

So einfach ist das. Da hilft auch kein Kondom. Und das wollte ich ja sagen: Nämlich, dass Kondome nicht immer was nützten.

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