Sally und der Chattanooga Club

Geschichten vom Anfang des Liebens

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Sally und der Chattanooga Club

Sally und der Chattanooga Club

Stayhungry

Ja, Sally mochte es, dass Tom alles an ihr mochte und bei ihm, diesem lässigen, netten Freund ohne Machoattitüden war ein forderndes männliches Verhalten mit reichlich Begeisterung für den Tabubruch plötzlich keine Bedrohung mehr wie bei ihren früheren Liebhabern, sondern eine liebenswerte Einladung zur Entdeckungsreise ins Reich der Lüste.

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Andy, der Betreiber des Clubs hatte eine gezielte Anmache mit Gogo-Girls immer vermeiden wollen, obwohl die den Umsatz hätten steigern können. Aber seit dieser rauschenden Party mit Tom's Band drängten die Leute in den Laden, grölten begeistert zu den Songs und schrien nach Sally. Die war beschämt und beflügelt, gab ihr Bestes auf dem Tresen und bald studierten sie und die Mädels und Jungs aus der Barkeepertruppe eine Choreografie ein, die wirklich das Fass zum Überlaufen brachte. Den Song Mustang Sally gab es nun langsam in der Committments Version, in der Sally lasziv im Catwalk posierte wie bei Joe Cockers You can leave your hat on - das gab's dann bald auch im Repertoire - und später am Abend nochmals als Rock'n Roll. Sally fasste sich in den Schritt und die Tänzerinnen und Tänzer fächerten mit ihr zugewandten Handflächen um ihren Schoß. Die Truppe drehte sich springend herum, wackelte mit den Hintern und hatte auch sonst reichlich gute Einfälle. Die Sache wurde sexy, anzüglich und zum Totlachen gleichermaßen! Es war auch nicht sexistisch frauenfeindlich, denn die Jungs machten wirklich begeistert mit und so sprach sie das gesamte Publikum an. Sally gefiel es, der Star der Gruppe zu sein, aber es war ihr lieb, dass die anderen sich auch ordentlich ins Zeug legten. Denn die Thekenschlampe, der sie bald eine Stange für den Poledance spendierten, wollte sie nicht werden.

Manchmal holte Tom sie auf die Bühne und sang mit ihr hinreißende Duette und die Band gab hüftwackelnd die Chicken Singers im Hintergrund. Sandras Stimme war nicht überwältigend, aber Tom wusste, was ihr nicht zu viel abverlangte und trotzdem die Stimmung anheizte. Chattanooga von den Delta Sons wurde die Hymne dieser Partys und des Clubs an sich und bald gab es einen Text in hiesiger Mundart, eine sehr eigene Version des Kufsteinliedes gewissermaßen. Alle, wirklich alle schrien dieses Bekenntnis hinaus, dass zwischen Salzburg und Innsbruck der Rock'n Roll lebt und dass es in Burghausen nicht nur Jazz gibt! Natürlich gab es auch etwas fürs Herz. Wenn Sally und Tom sich in Little Big Town's Sober inbrünstig ansangen: I love being in love!, dann sang der Chor des Publikums im abgedunkelten Saal in einem Meer aus Lichtern von Smartphones und Feuerzeugen mit. Nein, privat war an dieser vor vielen Zeugen begonnenen Liebe nichts!

Tom's Musiker wurden zur Hausband die Chattanooga-Abende am Freitag mit der heiß tanzenden Sally und ihrer Barkeepertruppe. Sie errangen Kultstatus, der ein volles Haus garantierte. Noch Jahre später, als Tom's Band längst nur noch einen einzigen Auftritt im Monat absolvierte, nämlich den im Club, der mittlerweile Chattanooga Rockstage hieß, und Sally schon als junge Assistenzärztin arbeitete, wirbelte sie an diesen Abenden die Flaschen durch die Luft und sich selbst über den Tresen.

Und mit Tom trieb sie es dann immer in der Garderobe, um den Beginn ihrer Liebe angemessen zu feiern.

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Diese Geschichte ist gewidmet der Band „The Delta Sons“ für ihren Song „Chattanooga“, die einzig wahre Hymne auf den Rock'n'Roll.

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