Salz auf der Haut

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Salz auf der Haut

Salz auf der Haut

Chloé d'Aubigné

Kein Verkehr, keine Stimmen, keine Termine – nur Wind, Wasser und der ferne Ruf einer einzelnen Möwe. Wenn ich hier bin, will ich nichts anderes. Nie denke ich mir, dass ich mir eigentlich etwas Teureres gönnen müsste, eben weil ich es mir leisten könnte. Aber ich will es nicht. Keine Flüge nach Bali, keine Hotels mit weißen Laken und zu viel Parfum in der Luft. Mein Luxus ist es, morgens Holzscheite zu hacken, den Ofen zu heizen, das Geschirr selbst zu spülen. Dieses Haus verlangt nach Händen, nicht nach Geld. Und ich mag das. Es erinnert mich daran, dass ich noch etwas tun, etwas schaffen kann – ohne Bildschirm, ohne Agenda.
Nach dem Auspacken ziehe ich mir die alte Wolljacke über und gehe hinunter zum Strand. Der Sand ist feucht und fest vom Regen der Nacht. Am Horizont öffnet sich kurz die Sonne, ein schmaler goldener Spalt über der graublauen Weite. Ich atme tief ein, spüre, wie der Wind mein Haar zerzaust, mich also quasi für diese Gegend stylt. Und ich fühle, wie meine Gedanken leichter werden. Die See hat etwas Ehrliches, Unbestechliches – sie redet nicht, sie erklärt nicht, sie ist einfach. Und sie nimmt dich in ihre Welt auf.
Ich folge dem Ufer ein Stück, vorbei an Treibholz, an feuchten Algen und vereinzelten Spuren von Möwen. Mit jedem Schritt fällt etwas von mir ab: der Lärm, die Hektik, die Versuche, alles im Griff zu behalten. Ich brauche keine Menschen hier, nur das Meer, das mich aushält – so, wie ich bin.
Am nächsten Morgen spaziere ich erneut die Dünen entlang, schon viel entspannter. Meine Schultern sind nicht mehr hochgezogen, meine Zornesfalte auf der Stirn kaum mehr zu sehen. Eine einzige Nacht hier hat schon so viel für mich getan.
Der Sand knirscht unter meinen Füßen, noch kühl vom Morgentau, doch die Sonne brennt schon früh, als hätte sie sich vorgenommen, den Frühling rasch zu vertreiben.

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