Als ich das Haus betrete, nehme ich den Geruch plötzlich ganz anders wahr. Nicht abgestanden, sondern nostalgisch. Und nach etwas riechend, an das ich mich lange nicht zu denken erlaubt hatte – nämlich nach uns. Salz, Rauch, und einem Hauch der Nächte, in denen wir uns geliebt haben, bis das erste Licht durch die Ritzen fiel. In denen nur unsere Körper sprachen und wir einfach ihrem Begehren folgten.
Lena lässt sich auf die alte Couch fallen. Noch bevor sie diese berührt, weiß ich, wie das Holz unter ihrem Gewicht knarren wird. Und lächle etwas wehmütig. Aber auch glücklich. Ich beuge mich über die Kühlbox, hole zwei Flaschen heraus. Alleine würde ich am Morgen nicht trinken. Aber mit Lena fühlt es sich so normal an. Das Glas der Flaschen klirrt leise, als es zusammenstößt. Liegt kalt in meinen Händen.
Unser Blick trifft sich wieder, für einen Moment zu lang, mit etwas zu glitzernden Augen. Dann stoßen wir an. Das Bier ist schal, aber das war es auch damals gewesen.
„Prost auf Zufälle“, sagt sie. Wir trinken, und die Worte kommen wie von selbst. Lebensupdates, knapp, ohne Drama. Ich erzähle von meinem Job in der Zürcher Marketingfirma – gut bezahlt, aber seelenlos. Dass ich weiterhin Karriere gemacht habe, aber es sich anders anfühlt, als ich es erwartet hatte. Neue Beziehungen, die alle an der Distanz scheitern. Keine Erfüllung, kein «jetzt habe ich es erreicht und bin glücklich». Nur der nächste Auftrag, das nächste Projekt. Das nächste To-Do, in welcher Form auch immer. Sie von ihrem Leben in Rostock: freie Grafikerin, Reisen, Affären, die kommen und gehen. „Kein Plan“, lacht sie. „Genau wie früher.“ Sie schweigt kurz, fügt dann «Und manchmal auch kein Halt, obwohl ich diesen gerne hätte» hinzu.
Dann kommen wir zum zweiten Bier – und mit diesem auf unsere Vergangenheit.
Salz auf der Haut
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Salz auf der Haut
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