«Hm…», sage ich und nehme die Denkerpose ein. Das mache ich immer, weil ich ja meine akademische Herkunft bekräftigen muss. «Es ist so», hebt Sandrine scheu an, «dass Jean-Paul massenhaft Pornos besitzt. Er schaut sie sich immer an, wenn ich nicht zuhause bin». Tränen steigen in ihre Augen, Jean-Paul beschwichtigt.
«Das mag ein Grund sein», sage ich, «ein sehr triftiger Grund sogar. Es geht vielen Männern so, dass sie vor lauter Porno schauen abstumpfen, anders kann ich es nicht ausdrücken, und sich der realen Liebe entziehen». Sandrine und Jean-Paul seufzen im Duett.
«Was sind es für Pornos», öffne ich Jean-Paul eine Brücke, «was schaust Du Dir denn an? Ich nehme an, Ihr habt darüber geredet? Was Du tust, tun mittlerweile fast alle Franzosen, die ich kenne. Die Filme sind richtig gut geworden in den letzten Jahren.
«Ich mag Dreier», gibt Jean-Paul unumwunden zu. Wie in Pornos. Die Handlung ist einfach. Ein Paar hat kein Geld. Der Kühlschrank ist leer. Urlaub in weiter Ferne. Dann kommt dem Typen ein Freund in den Sinn. «Wollen wir Pjotr mal ansprechen? Du findest ihn doch auch sympathisch?». Meist zögern die Frauen, was die Clips nur noch erregender macht. Aber dann willigen sie ein. Informed consent, nennt man das, ethisch vollkommen korrekt.
Sehr rasch – die Filme werden an dieser Stelle geschnitten – steht er dann mitten in der IKEA Wohnung, der Pjotr. Küsst galant Svetlanas Hand. Dann setzen sie sich aufs abgewetzte Sofa, nehmen Svetlana ihn ihre Mitte. Pjotr legt die Hand auf Svetlanas Schenkel, diese hüstelt verlegen – und dann gibt es kein Halten mehr, bis Svetlana schreiend kommt – und das Paar anschliessend strahlend ein paar Euroscheine entgegen nimmt».
Sandrine vergräbt den Kopf in ihren Händen. «Hm…», sage ich erneut – «und Du möchtest wohl eine solche Situation mit Deiner Sandrine nachspielen?»
«Wenn sie es zulassen würde – ja», antwortet Jean-Paul heiser.
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