Das Schimmelpilz-Sex-Genie

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Das Schimmelpilz-Sex-Genie

Das Schimmelpilz-Sex-Genie

Charles Haiku

Der Pate streichelte das Klavier, begann langsam weiterzuspielen und sein inneres Auge formte Marias Gestalt.
Maria, diese perfekt durchkomponierte, ja geradezu sinfonische Dichtung. Maria, die in ihrem grünen Kleid täglich unten auf der Straße an seinem Haus vorbeilief. Nein, nicht lief, sondern schwebte, wie ein grüner Engel. Eingehüllt in eine ruhelose Streich-Quartett-Wolke, die aus ihrem Walkman duftete. Marie, die ... "Ich bin jetzt siebzig Jahre alt!" murmelte das Klavier und befand sich damit im besten Instrumentenalter.
"Ich habe in dieser Zeit alles erdenkliche erlebt. Faulheit, Achtlosigkeit, wechselnde Besitzer und ungezählte Rotweinflecke. Ich habe jeden überlebt. Zickige Schüler und bebrillte Klavierlehrerinnen mit zu tiefen Dekolletés. Ich habe klaglos die zweijährige Nachbarschaft eines Synthesizers ertragen, eines arroganten Kunststoffetwas, das seinen mickrigen Klang elektronisch verstärkte und mir täglich erzählte, wie unglaublich polyphon es sei. Aber das hier stellt alles in den Schatten. Was will ich denn vom Leben? Einen Schüler, der ordentlich übt, mich einmal die Woche entstaubt und alle paar Jahre stimmen läßt. Verlange ich denn zuviel? Muß ich mich derart malträtieren lassen. Dieser Kerl besitzt einfach kein Taktgefühl." Der Pizzabäcker hielt sich seine unmusikalischen Ohren zu. Der Körper des Paten straffte sich und er sah den Bäcker an. Dieser lächelte ängstlich und seine Hände entfernten sich schleunigst von den Ohren. Demonstrativ kratzte er sich den Hals und ordnete seine Haare. "Glück hast du! Großes Glück!" wiederholte der Pate. "Morgen, ja morgen gehe ich zu Leonardo - einem Komponisten - und ..." Der Pate beendete den Satz mit einer stolzen Kunstpause. "Anders herum." begann er von neuem. "Vor einem Vierteljahr gab ich bei Leonardo die "Rhapsodie in grünem Moll" in Auftrag. Ich kann dir sagen, die Herren Künstler sind nicht gerade billig und ohne Vorschuß krümmen die keinen Finger.

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