Der Schleiertanz

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Der Schleiertanz

Der Schleiertanz

Peter Hu

...Ich erwachte mit fürchterlichen Kopfschmerzen aus der Betäubung. Unweit vom Fluss hatte man mich an eine Palme gefesselt. Auch der zweite, wehrhafte Kaufmann lebte noch. Man hatte ihn in ganz ähnlicher Weise verschnürt.
Wir waren so durstig, dass uns die trockenen Zungen förmlich aus dem Hals hingen. Warum hatten die Spießgesellen uns am Leben gelassen? Sie hatten doch reichlich Beute gemacht. Warum sollten sie sich mit lästigen Gefangenen abmühen?
Ich ordnete gerade noch einmal meine drei benebelten Sinne, als ein kräftig gebauter Mann auf uns zu trat. Es schien sich um den Anführer des wilden Haufens zu handeln. Denn er war in kostbares Tuch gehüllt und trug unverhohlen prahlerisches Geschmeide dazu.
„Ihr wundert euch sicher, warum ihr noch am leben seit?“
„Die Frage will ich euch gern beantworten. Ihr hattet die Unverschämtheit, euch recht wütend zu wehren. Das hat mich zwei wertvolle Männer gekostet.“

„Und was noch schlimmer ist“ ...er stieß mir mit hasserfülltem Blick den Fuß in die Seite, ...„Du Bleichgesicht hast meinen geliebten Hengst getötet. Ich habe vor meinen eigenen Männern im Sand gelegen.“
„Diese Schmach schreit nach Rache. Der schnelle, mannhafte Tod im Kampf, wäre eine viel zu große Gnade für dich gewesen. Einen Anführer meines Formats, dazu noch von Adel, derart zu entehren, …für solchen Frevel gibt es nur eine angemessene Strafe“:
„Ich werde euch beide kastrieren lassen, ...und anschließend auf dem großen Markt als Eunuchen verkaufen“...

...Vom ersten Augenblick an war mir dieser „Edelmann“ mehr als nur unsympathisch. Schon als er auf seinem schwarzen Hengst auf mich zu galoppierte.
Zugegeben, ein wunderschönes Tier. Aber unter dem falschen Reiter.
Wütend und vergebens, zerrte ich an meinen Fesseln. Er jedoch, lachte sein bösartiges Schurkenlächeln. Und um mich zu verhöhnen, imitierte er auch noch die typisch hohe Fistelstimme eines Kastraten.

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