Schmerzliche Erfüllung

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Schmerzliche Erfüllung

Schmerzliche Erfüllung

Sophie Andrell

Sie presst ihren Rücken gegen eine Tür. Die Tür gibt nach. Sie ist überrascht. Lautlos verschwindet sie in der schwarzen Stille des Raums. Mühsam orientiert sie sich. Der Laden ist leer. Vor den Schaufenstern hängen Wolldecken. Am Rand ist ein Streifen frei, der das Mondlicht einlässt. In der Mitte steht staubig die Ladentheke. Dahinter, an der Wand, eine Spiegelfront. Einige Scheiben sind zerbrochen. Sie sieht sich weiter um, sucht ein Versteck, einen Unterschlupf, eine Hintertür.

Ihr Puls geht schnell. Das Blut pocht in ihren Adern. Ihre Hände zittern. Sie versucht, beim Atmen keine Geräusche zu machen. Unter ihrer Bluse haben sich die Brustwarzen aufgestellt und reiben am Stoff. Ihr Herzklopfen lässt ihre Brüste hüpfen. Das Rauschen ihres Blutes ist so laut, dass sie nichts anderes hört.

Mit einem Klicken fällt die Tür ins Schloss. Miriam erschrickt und zuckt zusammen. Im Spiegel sieht sie, wie ihr Verfolger auf sie zukommt. Er ist groß und athletisch. Seine Augen funkeln stechend schwarz. Sie kann den Blick nicht von ihm abwenden. Sie ist wie hypnotisiert. Er bewegt sich fast lautlos, wie ein Tier. Seine Schritte sind langsam, Fuß um Fuß nähert er sich. Miriams Körper bebt, ihre Silhouette wirkt im Mondlicht dünn und hilflos wie die eines Kindes, ihr heller Teint ist blass. Feine Härchen an den Unterarmen haben sich aufgestellt. Er sieht das Zittern ihrer Beine. Miriam wagt es nicht, eine Bewegung zu machen. Gebannt starrt sie auf den größer werdenden Mann im Spiegel – sein Blick aus glühenden Pupillen trifft sie wie ein Dolch. Sie spürt, wie sich zwischen ihren Schenkeln Feuchtigkeit sammelt. Ihr Saft rinnt an ihrem Bein hinab. Unablässig starrt sie auf die Augen des Fremden, aus Angst, er könnte ihre Nässe bemerken. Die Anspannung lässt ihre Knie stärker zittern.

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