Schmetterlingsbrosche

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Anita Isiris

Nino war religiöser Glaube fremd, er ging nicht davon aus, wiedergeboren zu werden. Was geschah, geschah im Moment, und Momente waren flüchtig. Es konnte gut sein, dass die schöne Frau aus dem Norden Santana verliess und nie mehr zurückkehren würde. Eilends breitete der junge Mann die Plastikplane über seinen Stand, nahm die 150 Euros an sich, die er sich bis zu jenem Zeitpunkt verdient hatte und bewegte sich energisch durch die Menschenmenge, die sich über die 3-Meter-Distanzregel lustig zu machen schien. Er verfolgte die Nordfrau, die sich in Richtung der kleinen Kaffees bewegte. «Diese Frauen aber auch», dachte Nino bei sich, «eigentlich sind sie alle gleich. Märkte ziehen sie magisch an, aber sie kaufen eigentlich nichts. Sie wollen einfach die Atmosphäre erschnuppern. Dann setzen sie sich in die Kaffees, tratschen mit ihren Freundinnen und machen mit ihrem Aussehen die männlichen Dorfbewohner verrückt».

Die Frau im grauen Kleid aber war anders, Nino spürte das. Dann erstarrte er. Sie sass allein an einem runden Tischchen, unter einem blau-gelb-rot-weissen Sonnenschirm. Blau-gelb-rot-weiss. Die Farben von Madeiras Flagge. Sie sass stolz und aufrecht da und hatte das Kreuz durchgedrückt. Sie führte ein Glas Mineralwasser zum Mund und wirkte so, als wollte sie sich malen lassen, entrückt und unwirklich wie ein Modell. Ninos Erektion liess nicht lange auf sich warten, obwohl er es unpassend fand, dass sein Körper so reagierte. Er wollte doch nur seinem Herzen folgen und hatte bei Weitem nichts Böses im Sinn.

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Gedichte auf den Leib geschrieben