Da erinnerte er sich an seinen bei einem tragischen Fischereiunfall verstorbenen Bruder. Nino holte tief Atem, sein Herz tat einen Sprung. Wie war das gewesen damals? Sie hatten Zirkus gespielt, in sicherem Abstand zur Kate, in dem die Familie Santino ihr Dasein fristete. Die beiden hübschen jungen Männer hatten nie Probleme damit gehabt, Zuschauer und vor allem Zuschauerinnen anzulocken, denen sie kleine Zauberkunststücke vorgeführt hatten. Der Höhepunkt waren jeweils Quirinos Künste als Taschendieb gewesen. Was hatte er den Zuschauerinnen, von denen sehr wohl unbemerkt, nicht alles entwendet! Taschentücher, Lippenstifte, Haarnadeln, und einmal sogar einen BH, wobei Nino nicht glauben wollte, dass die Bestohlene, eine über 40jährige mit einer enormen Oberweite, das nicht bemerkt haben wollte. «Die hat doch beide Augen zugedrückt», war seine Bemerkung gewesen, aber sein Bruder hatte nur geheimnisvoll gelächelt. Als es ihm dann mehrmals hintereinander gelungen war, Frauen auch um ihre Eheringe und um ihre Halskettchen zu erleichtern, war Nino immer stiller geworden.
Quirino war ein hochanständiger Junge gewesen und hatte den Opfern ihren Besitz nach der Vorführung immer zurückgegeben. Den Männern ihre Smartphones und Sonnenhüte, den Frauen ihre Geldbörsen, ihre Papiertaschentücher und ihren Schmuck. In mühevoller Kleinarbeit hatte Quirino seinem jüngeren Bruder die Kunst des Taschendiebstahls nähergebracht – und irgendwann hatte auch Nino diese Spielereien zu wahrer Blüte entwickelt.
Er meinte sich zu erinnern, wie man etwa Halsschmuck entwendete – ohne dass die Bestohlene davon etwas merkte.
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