Schmetterlingsbrosche

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Schmetterlingsbrosche

Schmetterlingsbrosche

Anita Isiris

Ob solchen Gedanken sank Nino der Kopf auf die Brust, und er verfiel in einen traumlosen Dämmerschlaf. Er hatte keine Uhr und wusste nicht, wie lange er so vor sich hin gedöst hatte. Erschreckt sprang er auf, erinnerte sich an die Kette in seiner Hand und beschnupperte nochmals den geheimnisvollen Schmetterling. Der Duft der Nordfrau hatte sich mittlerweile verflüchtigt und einem ganz gewöhnlichen Metallgeruch Platz gemacht.

Doch gerade als Nino sich auf den Weg zurück zum Markt machen wollte, um seinen Platz leer zu räumen, entdeckte er etwas. Ihm gegenüber befand sich ein leicht erhöhtes Fenster. Es hatte keine Vorhänge. Die Einwohner von Santana waren sparsam, und es verstand sich für viele von selbst, dass Innenhöfe vor fremden Blicken schützten. Die Scheiben des Fensters in Ninos Visier schienen vor kurzem gereinigt worden zu sein – was darauf hindeutete, dass es sich wohl um eine Herberge handeln musste, vermutlich eine vergleichsweise kostspielige Unterkunft. Dann erblickte Nino eine schemenhafte Figur, die sich langsam hin und her bewegte, wie eine Weide im Wind. Von seiner Neugier eingenommen, näherte er sich dem Fenster, nicht, ohne zuerst um sich geblickt zu haben. Dann wiegte er sich in Sicherheit und duckte sich vor dem Mäuerchen, das unter dem Fenster wie ein kleiner Sockel wirkte.

Was er sah, verschlug ihm den Atem. Die Nordfrau stand vor einem Ganzkörperspiegel und kämmte sich mit fliessenden Bewegungen. Sie war nackt und an Anmut durch nichts zu überbieten. Ihre hübsch geformten Brüste verschlugen Nino den Atem, und ihr Bauch, ihre Hüften und ihr runder, kräftiger Hintern liessen ihm den Boden unter den Füssen schwinden. Weil sie vor einem Ganzkörperspiegel stand, blieb Nino kein Winkel diese Nordfrauenzauberkörpers verborgen, und er vergass die Welt um sich herum. Mit schweissnasser Hand umklammerte er den Schmetterling.

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