Luise und Alwine machten ihre Hausarbeiten, wie es ihnen Jolanthe aufgetragen hatte. Jolanthe mahnte:
„Seid hübsch brav, ihr Schlingel! Ich möchte nicht, dass mir etwas Hässliches zu Ohren kommt, wenn ich in zwei Tagen zurückkehre. Seid also auf der Hut – das betrifft besonders dich, Luischen! Du bist doch Alwines große Schwester, musst ihr ein gutes Vorbild sein. Benehmt euch so, wie es zwei jungen Damen geziemt. Ihr wisst, dass ich auf tadelloses Betragen den größten Wert lege! Bleibt also artig und erledigt eure Aufgaben. Sollte das nicht klappen, werde ich Fräulein Birke um Rat fragen…!“
Luise und Alwine nickten pflichtschuldig mit den Köpfen. Diese Warnung wollten sie unbedingt beherzigen. Die Schwestern spürten kaum das Bedürfnis, diese gefährlichen Ruten näher kennenzulernen. Luise himmelte das Fräulein an, was Alwine befremdete. Seit dem Povoll im Park folgte sie Jolanthe aufs Wort. Die 18 jährige Alwine ärgerte sich darüber, empfand Luises Schwärmerei gar als Verrat. Die Gouvernante ahnte nichts von diesen Verwerfungen. Sie herzte die Schwestern, verpasste jeder Kehrseite einen liebevollen Abschiedsklaps. Dann verließ sie das Haus.
Kaum dass die Erzieherin aus der Tür war, verkündete Alwine auch schon ihren Unmut. Luise zeigte sich erstaunt. Solch ungebührliche Reden führte sonst immer sie selbst. Alwine polterte gleich los:
„Wieso lässt du dir das nur gefallen? Fräulein Jolanthe behandelt uns wie die Kinder, obwohl sie selbst noch recht jung ist. Wenn das so weitergeht, werde ich Papa bitten, dass er sie entlassen soll!“
„Glaubst du wirklich, dass er darauf eingeht? Papa ist froh, dass das Fräulein durchgreift! Ich sehe wenigstens ein, dass ich mich schlecht benommen habe. Das solltest du auch tun, bevor es zu spät ist. Du weißt doch, wie Fräulein Jolanthe auf solche Unverschämtheiten reagiert. Sie wird dir mit der Rute über den Hintern kommen!
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