Schneewittchens Sehnsucht

Episode 2 aus: Die Abenteuer einer Gouvernante

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Schneewittchens Sehnsucht

Schneewittchens Sehnsucht

Andreas

Papa, du musst diese Frau wieder wegschicken!“

Herr Lünen räusperte sich geräuschvoll. Er kannte seine Töchter viel zu gut, um an der Integrität des Fräuleins zu zweifeln. Schon gar nicht wegen eines Popovoll, auch wenn dieser im Freien stattfand.
Seine Töchter waren bestimmt keine Unschuldslämmer, das hatten beide schon eindrucksvoll bewiesen. Vor allem Luise führte gern freche Reden, die alle bisherigen Gouvernanten aus dem Haus getrieben hatten. Er sah seine Frau an, die ähnliche Gedanken plagten. Sicher war es eine beschämende Strafe, die Luise da bekam. Frau Lünen konnte sich jedoch gut vorstellen, dass sie durchaus verdient war. Die Lünens wunderten sich auch, dass Luise nicht vorstellig wurde. Es war ja ihre älteste Tochter, die der Erzieherin den Popo herzeigen musste. Herr Lünen enttäuschte Alwine.

„Mir scheint, dass deine Schwester ihre Strafe herausforderte. Luise wäre selbst zu uns gekommen, wenn sie sich über das Fräulein beschweren wollte. Du musst wissen, Alwine, dass deine Mutter und ich uns da einig sind. Fräulein Jolanthe scheint uns die geeignete Person zu sein, die sich darüber hinaus darauf versteht, die gravierenden Mängel in eurer Erziehung wettzumachen. Hoffe also nicht, dass ich sie kritisieren werde! Dass Luise in diese peinliche Lage geriet, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Im Gegensatz zu dir scheint sie aber begriffen zu haben, dass ihr eine gewisse Disziplin abgeht. Ich kann dir nur raten, dem Fräulein zu folgen. Sie macht keinerlei Federlesen, wenn du es übertreibst! Alwine, ich empfehle dir dringlich, dich zusammenzureißen. Sei ein artiges Mädchen und fordere Fräulein Jolanthe nicht heraus. Dein Allerwertester wird es dir sicher danken!“

Mit dieser Auskunft konnte Alwine nicht zufrieden sein, hatte sie jedoch zu akzeptieren. Wütend stapfte sie auf den Flur. Das zutiefst beleidigte Mädchen weinte vor Zorn. Sie würde nicht kleinbeigeben, auf gar keinen Fall! Wenn Luise sich demütigen ließ, war das ihre Sache. Alwine würde dem Fräulein schon zeigen, dass sie aus einem ganz anderem Holz geschnitzt war. Luise saß immer noch an ihrem Schreibtisch, als ihre jüngere Schwester zurückkam. Die 17 Jährige bewunderte Jolanthe, die sie anfangs noch so vehement bekämpft hatte. Doch dann, nach den Hieben im Park, änderte sich etwas. Jolanthe rieb ihr so schön den schmerzenden Popo ein, dass es Luise ganz anders wurde. Das Mädel entdeckte eine verborgene Sehnsucht, die sich bisher nicht entfalten durfte. Luises Verlangen nach zärtlicher, weiblicher Zuwendung brach hervor. Alwine ahnte nichts davon. So schwiegen sich die Schwestern an, beide in ihren eigenen Gedanken versunken. Alwine nahm sich ihre Schreibsachen, setzte sich zu Luise. Sie machte sich an die Hausarbeit. Es schien Alwine besser, erst einen Plan zu haben, ehe sie der Gouvernante Paroli bot. Sie machte sich seufzend an die Arbeit.

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