Alwine wurde verdonnert, Jolanthes Tasche zu tragen. Sie tat es nur widerwillig. Im Hausflur kam ihnen Frau Lünen entgegen. Jolanthe begrüßte die Hausherrin, erwähnte aber Alwines Fehltritt mit keinem Wort. Stattdessen sagte sie folgendes:
„Guten Abend Frau Lünen! Nach der langen Zugfahrt würde mir ein Spaziergang guttun. Alwine ist so lieb, mich dabei zu begleiten. Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen, wenn sie mit mir läuft?“
Frau Lünen war natürlich einverstanden, was wiederum Alwine nicht so erfreute. Gemeinsam betraten sie nun das Zimmer der Gouvernante, weil die Gouvernante einen speziellen Gegenstand mitnehmen wollte. Alwine erbleichte, als sie die Birkenrute sah. Das gelbe Schleifchen verriet Jolanthe, dass es diejenige war, die sie für Alwines Popo vorsah. Sie steckte die Rute unter ihren Arm, legte ihren Mantel darüber. Jolanthe nahm wieder Alwines Hand. Das Mädchen wollte nicht mitkommen, was man durchaus verstehen konnte. Jolanthe gab ihr einen kräftigen Klaps, der Alwine Beine machte. So standen die Frauen bald wieder in der Scheune des Nachbarn. Jolanthe erklärte Alwine den Grund ihrer Bestrafung. Es war ihr wichtig, dass das Mädchen Einsicht zeigte. Sie sagte ihr: „Alwine, du bist noch zu jung für solch amourösen Abenteuer! Ich verrate dich nicht und werde es deinen Eltern nicht sagen. Du bekommst aber eine nachhaltige Strafe von mir! Du musst einsehen, dass es bitter nötig ist. Jungen in Jakobs Alter denken zuerst an sich und dann erst an das Mädchen!“
Alwine spürte, dass die Erzieherin aus eigener Erfahrung sprach. Ihre Abneigung gegenüber einer Rutenstrafe wich einem Gefühl der Geborgenheit. Alwine war ja heilfroh, dass ihre Eltern nichts von ihrem Stelldichein erfuhren. Vielleicht meinte es Fräulein Jolanthe doch besser mit ihr, als sie dachte.
Die Gouvernante setzte sich auf einen Heustapel. Die hübsche Birkenrute lag griffbereit neben ihr.
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