Schokolade

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Schokolade

Schokolade

Anita Isiris

Sie atmete ruhig; das Schmetterlingstattoo um ihren Bauchnabel elektrisierte mich. Wie richtige Künstler machten wir uns an ihr zu schaffen, modellierten die Zuckermasse, wobei uns die Grösse ihrer Brüste vor gewisse Probleme stellte. Nach einer Dreiviertelstunde sah Rilana aus, als trüge sie einen BH aus Zuckermasse.
"Machen Sie es sich bequem, Rilana, der Zucker muss jetzt erst mal aushärten. In dieser Zeit gehen wir drei einen Kaffee trinken." "Und ich??" reagierte sie empört. "Wir bringen Ihnen einen Becher mit, keine Bange!" Wir löschten das Licht um kein Aufsehen zu erregen und überliessen Rilana sich selbst. Das war ein Fehler. In diesen Minuten nämlich schnitt sich Costa, Rilanas Ehemann, in seiner Werkstatt mit dem Japanmesser in den Finger. Laut fluchend verliess er seinen Arbeitsplatz und steuerte aufs Sanitätszimmer zu.
Wie oft der temperamentvolle Grieche die Farbe gewechselt hat, als er seine Frau mit ihrem Zucker-BH im dunklen Sanitätsraum liegen sah, bekam ich nie heraus. An das Getöse, als wir von unserer wohlverdienten Kaffeepause zurückkehrten, erinnere ich mich aber sehr wohl. Irgendjemand klatschte mir die Schüssel mit dem restlichen Zuckerguss auf den Kopf. Der Produktionschef bekam eine volle Dosis Schokolade ab. Meinen Assistenten traten sie in die Eier, wieder und wieder.(Wir waren ja ohnehin mitten in der Osterproduktion, Weihnachten stand vor de Tür.) Der Mob war aktiv. Costas Mob. Somit fiel unser "Blockbuster", die Produktion von Schokoladebrüsten, ins Wasser. Mein Traum, einmal an Rilanas Riesentruffes zu lutschen, rückte in unerreichbare Ferne. Jedesmal aber, wenn ich meine Kontrollrundgänge am Fliessband mache, wird mir glasklar bewusst: Die junge Frau, die dort drüben Kinderlollis verpackt, hat den Idealbusen für mein Megaprojekt, auch wenn sie ihn gut unter der Arbeitsschürze versteckt. Nicht mal ihre glänzenden schwarzen Haare sieht man, wegen der Schutzhaube, einer Hygienevorschrift.

Vielleicht komme ich mit Costa doch noch ins Geschäft, und dann wird Weihnachten. Weihnachten für uns alle.

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