Schwarz

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Schwarz

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Anita Isiris

Das tat er aber nicht. Stattdessen griff er in eine der Schatztruhen und förderte den grössten Dildo zutage, den ich je gesehen hatte. Mit der Gemächlichkeit eines Schimpansen, der sich sein Abendessen zubereitet, legte er mich über seine muskulösen Beine und spreizte meine Pobacken. Er befeuchtete einen Finger mit etwas Spucke und massierte mich minutenlang. "Nur nicht stöhnen!", sagte ich halblaut zu mir selbst, "vergiss nicht, wo du bist, Anita!" Die vorbeifahrenden Boote mit den murmelnden Besuchern machten mir Angst. Ich konnte gut fühlen, wie Jeremy den summenden Vibrator in mich hineinschob. Dazu klatschte er auf meinen Po. Die vorbeifahrenden Leute mussten annehmen, das Geräusch stamme von einer Art Urwaldtrommel – und waren damit gar nicht mal so weit entfernt von der Wahrheit. "You make me loose control!" flüsterte Jeremy heiser. Dann pfählte er mich. Tief in meinem Innern pulsierte sein Glied; Jeremy stöhnte laut. Es ist nicht zu beschreiben, lieber Leser, wie mich seine "ouhhh", und "aaaahhh"-Laute erregten. "You horny bitch", keuchte er, "you damned greek slut!". Unter normalen Umständen hätten mich solche Redensarten beleidigt, hier unten im Piratenversteck vergass ich aber alles, und das kurze Zusammensein mit Jeremy war für mich so aufregend wie die ersten Doktorspiele meiner Kindheit in Zakynthos. Jeremy pumpte und pumpte, zwischendurch steigerten wir unseren Rhythmus, dann wieder versanken wir in der Lust der Zeitlupe. Ich liess mich treiben und erschauerte jedes Mal, wenn er mich mit seinen breiten Lippen auf den Rücken küsste. Erst ganz am Schluss, als ich lichterloh brannte, schob Jeremy seine Zunge in meine Vagina und kühlte mich. Mein gelber Minirock lag ausgebreitet neben uns. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich untenrum völlig nackt war; dem Schwarzen, den ich im Grunde überhaupt nicht kannte, ausgeliefert. Mittlerweile war mir klar, dass es sich hier um ein gemachtes Spiel handelte; meine drei Kolleginnen waren perfekte Planerinnen. Meine Vorliebe für Schwarz steigerte sich an jenem Abend ins Unermessliche; ich verwöhnte Jeremy mit einem liebevollen Blowjob. "Ouhhh", stammelte er, "ouhhh…". Das Ganze hatte bestimmt nicht länger als zwanzig Minuten gedauert. Eilig bückte ich mich nach meinem Mini und ordnete mein Haar, so gut es in der Schwärze des Piratenverstecks eben ging. Ich liess es mir nicht nehmen, drei Münzen zu klauen - es war ja bloss Falschgeld. Eine für Mireille, eine für Véronique und eine für Joëlle. Als wäre nichts gewesen, bestiegen Jeremy und das nächstbeste Boot und verliessen den dunklen Ort unseres Geheimnisses – zusammen mit Dutzenden von ahnungslosen Disneypark-Touristen.
Wenn ich heute im kleinen Teeladen stehe, wo ich als Verkäuferin die Zeit bis zu meinem nächsten Seminar an der Uni überbrücke, denke ich oft an den Schwarzen im Piratenversteck und sehne mich mit aller Kraft nach ihm.
Schwarz ist meine Leidenschaft. Schwarz ist mein Verderb.
Schwarz ist meine tiefste Kraft. Schwarztee mein Broterwerb.
P.S. Diese Erzählung soll keinesfalls zum Nachahmen animieren. Für den lieben deutschen Leser, der noch nie die Möglichkeit hatte, ins Disneyland nach Paris zu reisen, gibt’s auch im Europapark in Rust eine kleine Piratenbahn… zur Inspiration oder so…

 

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