Mit roten Wangen trat sie hinter der Wildrosenhecken hervor. “Ich habe mir nur ein wenig die Beine vertreten, Konrad.” Der junge Mann spürte, dass Liesel schwindelte. Karl hatte ihm beim gemütlichen Umtrunk lächelnd berichtet, dass auf seine jüngere Schwester am Abend eine Unterredung mit der Gouvernante wartete. Konrad wusste, was dies für seine präsumtive Braut bedeutete. Der bloße Gedanke an Liesels Bestrafung trieb Konrads Blutdruck in die Höhe. Da er selbst zwei Gläser Sekt getrunken hatte und sich dadurch in einem entspannten Zustand befand, verzichtete Konrad auf die zurückhaltende Höflichkeit, die seinen Charakter definierte. “Du bist sicher nervös, da dich heute Abend Fräulein Luise erwartet. Karl erzählte mir, dass sie dir den blanken Popo versohlen will. Was hast du denn nur angestellt, dass sie bei einer beinah erwachsenen jungen Dame zu solchen Mitteln greift?”
Liesels Augen blitzten. Karls Indiskretion ärgerte sie, aber noch mehr empörte sie, dass Konrads sich über ihr Unglück zu amüsieren schien. “Du findest es wohl witzig, dass ich auf solch beschämende Weise bestraft werden soll, die keineswegs angemessen ist! Ich habe Fräulein Luise lediglich gesagt, dass ich kein Backfisch mehr bin, den sie herumkommandieren kann. Daraufhin hat sie diese überzogene und unnötige Strafe ausgesprochen.” Konrad konnte ein Schmunzeln nicht verbergen. Er kannte Liesels Dickkopf, gegen den kaum ein Kraut gewachsen zu sein schien. “Karl sagte mir, dass du frech warst. Deine Gouvernante hatte dich bei Tisch ermahnt, nicht dazwischen zu plappern. Daraufhin gabst du eine freche Antwort und damit war das Schicksal deines hübschen Popos besiegelt. Ich gebe zu, dass ich gerne Mäuschen spielen würde, wenn das Fräulein zur Tat schreitet.” Liesel verzog das Gesicht. Sie wusste nur zu gut, dass sie die anstehende Lektion selbst verursacht hatte. “Das wird Luise sicher nicht zulassen, mein Lieber.
Sehnsucht nach der Gouvernante
Fräulein Leichtfuß
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