Sein Bild von mir

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Chloé d'Aubigné

Aber ich wusste auch, dass ich mich eigentlich der Wahrheit stellen sollte. Sollte. Ein sehr relatives Wort. Ein Konjunktiv.
Seine Hände waren schon an mir, bevor dieser Gedanke zu Ende war. Sie fanden meinen Körper mit einer Sicherheit, die mich nicht mehr überraschte, aber mich erregte.
„Du weichst mir aus“, versuchte ich es noch einmal, dem letzten kleinen Rest meiner eigentlichen Überzeugung folgend. aber ohne Bestimmtheit in meiner Stimme.
„Nein“, antwortete er. „Ich komme dir nur zuvor.“
Ich wollte lachen, wollte ihm sagen, dass das keine Antwort war. Aber er hatte ja Recht. Daher küsste ich ihn, statt ein Gespräch zu beginnen. Diesmal ohne Zurückhaltung.
Meine Hände hielten ihn fester, fordernder. Ich kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, wo ich ihn berühren musste – und doch immer noch schlecht genug, um nicht zu wissen, wer er war. Aber für das, was folgte, war dies auch besser so.
Er reagierte sofort. Ein kurzes, kaum hörbares Einatmen, dann zog er mich enger an sich, als hätte er genau darauf gewartet.
„Meine Muse“, murmelte er gegen meine Haut.
Ich hätte ihn dafür hassen können. Oder mich. Stattdessen spürte ich, wie sich etwas in mir darauf öffnete, als wäre dieses Wort ein Schlüssel, den ich längst akzeptiert hatte.
„Sag das nicht“, flüsterte ich.
Er tat es nicht noch einmal.
Aber es blieb zwischen uns.
Er drängte mich gegen die Wand, nicht hart, aber bestimmt genug, dass ich sie im Rücken spürte. Seine Hand hielt mein Gesicht, zwang meinen Blick zu seinem.
„Sieh mich an“, sagte er.
Ich tat es.
Sein Blick war klar.
Dann küsste er mich wieder.
Ich zog ihn mit mir, weg von der Wand, hin zur schmalen Liege, die ich inzwischen kannte. Diesmal führte ich ihn dorthin. Weil ich wusste, was dort geschehen würde. Weil sie unser Ort geworden war.

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Gedichte auf den Leib geschrieben