Sein Bild von mir

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Chloé d'Aubigné

Unsere Bewegungen kannten sich inzwischen, fanden schneller zueinander, griffen ineinander, als gäbe es echte Vertrautheit zwischen uns. Ich spürte, wie er mich hielt, fester als zuvor, als hätte er Angst, mich zu verlieren – oder sich selbst.
Ich erwiderte es.
Wenn ich ihn schon nicht verstand, wenn ich ihn nicht wirklich kannte, wollte ich ihn wenigstens ganz. Für diesen Moment, für diese Nacht, von der ich wusste, dass sie sich nicht wiederholen würde.
Sein Atem an meiner Haut, seine Hände, die mich kannten, vielleicht zu gut. Als er in mich eindrang, fühlte es sich so normal, so richtig an. Es war einfach das, was auf dieser Liege geschehen musste. Künstler und Muse, vereint auf die Art, welche als einzige wahre Kunst schaffen kann. Und erneut fühlte ich mich gesehen. Alles an ihm, seine Blicke, seine Hände und auch seine Bewegungen gaben mir das Gefühl, für diesen Moment sein Mittelpunkt der Welt zu sein. Und was in anderen Momenten Realität war, das war mir egal. Es zählte nur das Hier und Jetzt. Und das war wunderschön. Vielleicht gerade, weil es so ungewiss war. Vielleicht gerade, weil ich wusste, dass wir dies nie wiederholen würden.
Irgendwann hielt er inne.
Nur kurz.
Sein Blick lag auf mir, konzentriert, fast ernst.
„Bleib“, sagte er leise.
Ich nickte.
Er meinte nicht nur diese Nacht.
Vielleicht war das die einzige Unwahrheit, die ich mir damals wirklich übel nehmen konnte. Denn am nächsten Tag packte ich meine Sachen und ging zurück in meine Heimatstadt, so, wie es immer geplant gewesen war. Ja, vielleicht hätte ich damals ehrlich sein sollen.
Vielleicht auch nicht. Denn wozu hätte es denn geführt, außer zu einer Erinnerung, die weniger romantisch gewesen wäre?
All dies ging mir durch den Kopf, als ich weiterhin das Bild anstarrte und hoffte, niemand würde es bemerken.

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