Oder mich einfach nur für eine sehr interessierte Kunstkennerin halten.
Es war alles da. Die Linie meines Körpers, wie er auf der Liege lag, die Haltung und dann dieses Wort. Mein Spitzname. Er stand dort, nüchtern gesetzt, als wäre er nie etwas anderes gewesen als ein Werktitel. Als wäre er nie gestöhnt worden, wäre nie zwischen zwei nackten Körpern geschwebt.
Ich spürte kein Aufflammen von Empörung. Kein Bedürfnis, das Bild zu entlarven oder ihn bloßzustellen.
Was ich spürte, war etwas anderes. Eine Art von Aufruhr, die sich sehr schnell in Klarheit verwandelte.
Er hatte mich gesehen. Auf seine Weise. Hatte mich festgehalten, benutzt vielleicht, verwandelt – und dann in eine Welt überführt, in der er Lob bekam, aber ich nur Objekt war.
Ich hob den Blick zu seinem Namen. Jetzt, da ich ihn kannte, konnte ich ihn als seinen echten Namen akzeptieren. Und mir war, als gäbe es nur diese Version von ihm, die auf Wänden hing, besprochen wurde, gefeiert wurde. Der andere – der im Atelier, der mit den Händen, die mich kannten – war darin nicht vorgesehen.
Ich fragte mich, ob er beim Malen an mich gedacht hatte – oder nur an die Linie, das Licht, die Wirkung. Ob es für ihn einen Unterschied machte. Für mich machte es einen.
Ich stellte mir vor, wie er diese Ausstellung betrat. Wie er sich zwischen den Bildern bewegte, ruhig, kontrolliert, an diesen Blick gewöhnt, der ihm inzwischen folgte. Ob er je damit rechnete, dass etwas aus seiner Vergangenheit neben ihm stehen könnte, ohne dass er es bemerkte.
Der Gedanke gefiel mir.
Nicht, weil ich ihn zerstören wollte. Aber weil ich ihn sehen wollte, für einen Moment zumindest, ohne diese Sicherheit. Irritiert. Aus der Fassung gebracht, wenn auch nur leicht. Genug, um zu spüren, dass das, was er für abgeschlossen hielt, es nicht ganz war.
Ich zog mein Handy aus der Tasche. Sein Name war leicht zu finden. Ich hatte ihn damals schon gefunden, fast nebenbei. Ich hatte nur keinen Grund gehabt, mehr daraus zu machen.
Jetzt hatte ich einen. Ich würde ihm schreiben. Nicht viel. Nur genug, um eine Reaktion auszulösen, die er nicht kontrollieren konnte. Um ein Bild in seinem Kopf zu erzeugen, das sich nicht für ein Gemälde eignen würde.
Und dann, mal sehen.
Ich steckte das Handy wieder ein.
Nicht hier.
Ich ging weiter, ließ das Bild hinter mir, ohne mich noch einmal umzudrehen. Entschlossen. Und ruhig genug, um erst den Rest der Ausstellung zu sehen und dann zu handeln.
Ich wusste, dass ich ihm etwas schreiben würde, das ihn zumindest kurz aus der Fassung werfen würde. Wie mich dieses Gemälde an der Wand hier.
Denn Worte waren meine Disziplin. Und ich war mir sicher, dass ich die richtigen finden würde.
Sein Bild von mir
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