Niemand außer ein paar wenigen Menschen.
Ich betrachtete das Bild genauer. Die Linie, den Schattenwurf. Es gab keinen Zweifel, dies war mein Rücken. Ich war mir sicher, wusste mit einer Selbstverständlichkeit, die beinahe beängstigend war, dass hier mein nackter Körper gezeigt wurde. Und dass ich somit Eingang in eine Ausstellung gefunden hatte. Wenngleich auf eine Art, die ich mir so nie erträumt und auch nie erhofft hatte.
Kurz überlegte ich noch, ob es vielleicht eine Projektion sein könnte. Man erkennt in vielen Dingen bekannte Muster, wenn man nur lange genug hinsieht. Aber es schien mir hier nicht möglich. Vor allem, da ich mich an den Moment erinnern konnte, in welchem ich genau so dagelegen hatte. Das Spiel von Licht und Schatten auf meiner Haut. Das Gefühl, eine Muse zu sein. Nicht nackt, sondern frei. Inspirierend. Von Bedeutung.
Ich blickte auf den Titel des Werks. Er stand rechts neben dem Bild, in derselben sachlichen Typografie wie alle anderen. Schwarz auf Weiß, nüchtern, beinahe gleichgültig.
Ein Wort. Mein Name war es nicht. Natürlich nicht. Aber ich hatte den Klang des Worts sofort wieder im Ohr. Die Art, wie er dies ausgesprochen hatte – halb im Scherz, halb im Ernst, als wäre er selbst überrascht gewesen, dass er diesen Spitznamen für mich gefunden hatte. Ein Name, der mir zunächst fremd gewesen war und den ich dann doch angenommen hatte, weil er ihn mir gab. Weil ich vertraute, dass er schon recht haben würde, wenn er sagte, er passte zu mir.
Jetzt gab es keinen Zweifel mehr.
Ich trat einen Schritt zurück. Und was ich sah, schien mir unerträglich. Die Komposition, die Sicherheit, mit der die einzelnen Linien geführt worden waren, die fast beiläufige oder versehentliche Meisterschaft, welche dieses Bild ausstrahlte. Ich wünschte, es wäre kein so gutes Bild.
Sein Bild von mir
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