Und auch, wenn ich es mir nicht wirklich erklären konnte, wünschte ich, es wäre nicht so ruhig, nicht so selbstverständlich. Denn ich wusste, wie ruhig ich damals in diesem Moment gewesen war. Wie entspannt, obwohl ich darauf konzentriert war, möglichst still zu bleiben, meinen Körper nicht zu bewegen. Und dass ich nicht so ruhig gewesen wäre, hätte ich gewusst, dass dieses Bild einmal in einem Museum hängen würde.
Ich schloss kurz die Augen. Atmete tief durch.
Es war also wahr.
All die kleinen Unstimmigkeiten, die ich damals beiseitegeschoben hatte, die Fragen, die ich nicht gestellt hatte, weil ich die Antworten nicht hören wollte. Die Wahrheit hing jetzt vor mir, in Öl gebannt, gerahmt, beleuchtet, zu »Kunst« erklärt.
Ich öffnete die Augen wieder und sah erneut auf den Titel. Er hatte mich so genannt, als wäre es etwas Zärtliches. Vielleicht war es das sogar gewesen. Für ihn. Für mich war es ein Spiel gewesen. Eines, von dem ich geglaubt hatte, die Regeln zu kennen.
Aber eines musste ich noch wissen. Daher trat ich noch einmal näher an die kleine Tafel heran, auf der die Informationen zu diesem Bild standen. Und auf welcher auch sein Name stand. Diesmal las ich ihn.
Es war nicht der Name, unter dem ich ihn kennengelernt hatte. Sondern der anderen. Der richtige. Ich hatte ihn schon einmal gesehen, Wochen nach meiner Rückkehr, als ich begann, aus einer Laune heraus zu suchen. Ein zweiter Vorname, der plötzlich zum ersten wurde. Aus Skizzen wurden Ausstellungen, aus einem Mann, der auf der Straße Porträts anfertigte, jemand, der als aufstrebendes Talent gehandelt wurde.
Jetzt stand ich hier und sah, was aus ihm geworden war. Das Talent war zu einem Star geworden. Und ich sah auch, was von uns geblieben war. Ein Bild.
Nein, es war mehr als ein Bild geblieben.
Sein Bild von mir
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