Da waren so viele Erinnerungen in mir. Erinnerungen sind zwar unzuverlässig, aber doch nicht unzuverlässig genug, um zu vergessen, was ich mit ihm gefühlt habe.
Ich erinnerte mich wieder deutlich an den Geruch seines Ateliers, in dem es immer nach Ölfarben roch. An das Licht, das durch die hohen Fenster fiel und auf alles einen malerischen Schattenwurf zauberte. An seine Stimme, wenn er mir sagte, ich solle mich nicht bewegen, und wie ich gerade dann das Bedürfnis hatte, es doch zu tun.
Und vor allem erinnerte ich mich an unsere erste Begegnung. Als ich dort oben in Montmartre vor ihm stand und noch nicht wusste, dass ich mich eines Tages in einem Museum wiederfinden würde, mit meinem eigenen Körper an der Wand.
Das mit ihm begann, wie solche Dinge beginnen. Zufällig. Und doch von uns beiden gewollt.
Ich war damals oft dort oben. Nicht wegen der Künstler, wie ich mir einredete, sondern wegen des Gefühls, dass ich auch Teil dieses lebendigen Treibens der Künstlerszene sein könnte. Die Touristen waren da, natürlich, und die Stände, die immer gleich aussahen. Aber ich war überzeugt, besser als die wahre Kunst erkennen zu können. Als Austauschstudentin mehr in diese Stadt zu gehören als sie.
Er hatte dort einen Stand, aber nicht mitten auf dem Platz, sondern an einem Rand, wo der Blick freier war. Ich bemerkte ihn sogleich. Nicht wegen seiner Bilder. Die bemerkte ich erst später. Er war es, der meinen Blick anzog, wegen seiner Art, wie er die Menschen ansah. Nicht fordernd. Nicht kritisch. Einfach neutral betrachtend.
Ich blieb stehen, ohne genau zu wissen, warum. „Sie beobachten mich?“, fragte er, noch bevor ich etwas sagen konnte.
Ich erinnere mich, dass ich gelacht habe. Nicht, weil es besonders witzig gewesen wäre, sondern weil es zu genau war.
„Und Sie?“, fragte ich.
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