Sein Bild von mir

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Sein Bild von mir

Chloé d'Aubigné

Nicht körperlich – daran gewöhnt man sich schnell –, sondern aufgrund der Aufmerksamkeit, die man plötzlich erhält. Sein Blick lag auf mir, wanderte, kehrte zurück auf sein Blatt, fiel dann auf andere Stellen meines Körpers. Mein Schlüsselbein. Die Innenseite meines Arms. Die Stelle, an der mein Rücken in die Hüfte überging. Plötzlich wurde ich mir aller dieser Stellen viel bewusster, als ich es je zuvor gewesen war. Und ich fragte mich, was er sah. Wie ich aussah, wenn ich durch seine Augen gesehen wurde.
„Sie denken zu viel“, sagte er, ohne aufzusehen.
Ich fühlte mich ertappt. „Das ist mein Beruf.“
„Dann machen Sie jetzt Pause.“ Er sagte es ruhig, ohne jede Ironie. Und doch hatte es etwas Unwidersprechliches.
Ich atmete aus und ließ die Spannung ein wenig los.
„Gut“, murmelte er.
Sein Stift bewegte sich schneller jetzt. Sicherer.
„Sie haben das schon oft gemacht“, sagte ich.
„Ja.“
Keine weitere Erklärung.
Ich sah mich im Raum um, vorsichtig, meine Position zu verändern. An den Wänden lehnten Arbeiten, einige erst als Skizzen, andere weiter ausgeführt. Manche waren grob, fast flüchtig. Andere hatten eine Präzision, die nicht zu dem passte, was er draußen verkaufte.
„Nicht bewegen“, sagte er leise.
Ich hatte es nicht bemerkt, aber ich war dabei gewesen, mich vorzubeugen.
Ich hielt inne.
„Verzeihung.“
„Das müssen Sie nicht“, antwortete er. „Es ist nur schade um den Moment.“
„Was sehen Sie?“, fragte ich nach einer Weile.
Er sah kurz auf, als hätte er die Frage nicht erwartet.
„Sie“, sagte er.
Ich schüttelte leicht den Kopf. „Das ist zu einfach.“
Ein kaum merkliches Lächeln.
„Sie haben recht“, sagte er. „Es ist nie so einfach. Ich sehe eine Frau, die es nicht gewohnt ist, gesehen zu werden. Und der es aber mehr gefällt, als sie es zugeben will.“
Da ich nicht wusste, was ich sagen sollte, schwieg ich.

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