Sein Bild von mir

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Sein Bild von mir

Sein Bild von mir

Chloé d'Aubigné

Ich hatte nicht vor, lange zu bleiben. Die Ausstellung war nicht so, wie ich sie mir erwartet hatte. Zu viele Bilder, zu viele Namen an den Wänden und vor allem zu viele erklärende Texte, die alle denselben Tonfall haben – dieses gedämpfte, institutionelle Staunen. Dafür kaum Platz, sich zu setzen, alles auf sich wirken zu lassen und sich selbst eine Meinung zu bilden oder zumindest ein Gefühl für die Werke zu enthalten.
Somit tat ich es einfach so wie die anderen: Ich ging langsam, die Hände locker ineinandergelegt, wie man es in Museen tut, und ließ die Bilder an mir vorbeiziehen, als wären sie eine Landschaft hinter Glas.
Bis ich stehenblieb. Ich wusste zunächst nicht genau, warum. Aber etwas an diesem Bild löste eine Irritation in mir aus. Und diese war nicht künstlerischer Natur. Das Bild hing nicht in der Mitte des Raums und war auch nicht eines der größten Werke. Aber es zog meinen Blick magisch an. Denn das, was ich sah, kam mir zu bekannt vor.
Da waren diese Linie und dieser Farbverlauf. Eine Kurve und ein Hauch eines Schattens. Die Biegung eines Rückens, das war klar. Und ein Teil einer Hüfte. Alles halb im Licht und halb im Schatten. Ohne dass man wirklich sehen konnte, wem sie gehörten. Nichts daran war explizit. Im Gegenteil: Alles war zurückgenommen, gebrochen, in Übergängen gehalten. Es schien anonym. Doch nicht für mich. Für mich war es entlarvend klar. Das Spiel mit Licht und Schatten auf einem Körper. Dunkelheit, die verhüllte, und Helligkeit, die unbarmherzig freilegte. Und was sie freilegte, das war ganz klar meine Haut, meine Linien, mein Köper.
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Keiner schien es zu bemerken. Weder, was ich empfand, noch dass ich es war, die hier so nackt gezeigt wurde. Doch wie auch. Niemand hier kannte die Linien meines Körpers.

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