Feine Dehnungsstreifen ziehen sich über Hüfte und Oberschenkel, wirken wie delikate Kunstobjekte auf ihrer Haut. Ich kann den Blick nicht abwenden.
„Nun du“, sagt sie, ihre Stimme weich, aber unmissverständlich. Sie legt sich hin, sinkt in die Kissen, spreizt langsam die Beine. „Lies für mich. Und zeig mir, was du gelernt hast.“
Meine Finger zittern leicht, als ich das Buch nehme, eine Stelle suche. Meine Stimme ist heiser, gebrochen von eben, als ich beginne. Normalerweise lese ich nicht gerne französische Texte vor, fühle mich zu unsicher wegen der korrekten Aussprache. Doch schon mit dem ersten Wort legt sich diese Hemmung. Wie von selbst formen meine Lippen die Worte, die ich auf dem Papier sehe, und hauchen ihnen Leben, nein, hauchen ihnen Relevanz ein.
Die Worte sprudeln wie von selbst aus mir hervor, während ich mich vorbeuge, ihren Bauch küsse, die feine Linie zum Schambein entlang, weiter zu ihren Schenkeln. Ihre Haut schmeckt nach Papierstaub, aber auch nach etwas Zeitlosem, Authentischem.
Ihr Geruch zieht mich wie magisch an: warm, moschusartig. Sie riecht nicht unschuldig, aber wundervoll – nach etwas, das ich ausprobieren will. Also folge ich dem Geruch, erst vorsichtig, streife nur mit der Zungenspitze über ihre Schamlippen, koste ihre Nässe. Sie stöhnt leise, gibt mir zu verstehen, dass ihr gefällt, was ich tue. Ihre Hand findet meinen Hinterkopf, nicht drückend, sondern lenkend.
„Tiefer“, murmelt sie, „ja... langsamer... genau.“
Ich folge ihrer Stimme, lasse die Zunge flacher werden, breite sie aus, um mehr von ihr zu spüren. Dann konzentriere ich mich auf ihre Klitoris, umkreise sie, spiele mit ihr, reize sie nur ganz sanft, bis ich spüre, wie ihr Becken mir entgegenkommt. Dann lasse ich gleich zwei Finger in sie hineingleiten, bestimmt, weil ich weiß, dass sie genau dies will.
Die Worte aus dem Buch werden nun nicht mehr gesprochen – und doch fühle ich sie noch in mir. Sie leiten mich an. Die Sätze manifestieren sich in Bewegungen, ein Komma entspricht einem Atemzug. Jeder Punkt ein Stöhnen. Gelebte Poesie.
Sie kommt mit einem tiefen Seufzer, der irgendwo zwischen Erleichterung und Vollendung liegt, als würde das Gedicht zu seinem natürlichen Ende kommen. Ihr Körper spannt sich unter mir, wird hart, dann weich, wie eine Welle. Und da ist eine Wärme, die ich schmecke. Ihre Wärme, die ich aufnehme und die mich auch erfasst. Ihre Finger vergraben sich kurz in meinem Haar, lösen sich, streichen dann sanft, fast beruhigend.
Wir sinken zusammen, ich lege mich an ihre Seite, Haut an Haut, unsere Beine noch ineinander verschlungen. Ihr Atem wird langsam ruhiger, streicht über meinen Hals. Ihre Finger fahren durch mein Haar, ziehen vereinzelte Strähnen aus meinem Gesicht.
„Siehst du?“, flüstert sie, so nah an meinem Ohr, dass ich die Worte mehr spüre als höre. „Worte können auf eine ganz spezielle Weise verführen.“
Später, angezogen, bezahle ich die Bücher – mit einem Augenzwinkern, das mehr verspricht. „Komm wieder, wenn du mehr lernen willst.“ Ich nicke, trete in den Regen hinaus, die Bücher in meiner Tasche wirken überraschend schwer. Ganz anders als ich – ich fühle mich leicht wie nie. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, worüber ich meine Seminararbeit schreiben werde, so weiß ich doch, dass sie mir sehr gut gelingen wird. Weil ich nun Worte nicht nur verstehen, sondern auch fühlen kann.
Seiten voller Geheimnisse
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