Ihre schönen, feingliedrigen Hände wirkten abgearbeitet, obwohl sie sie akribisch pflegte. An Marias Hals befanden sich oft blaue Flecken, die sie sorgsam mit einem seidenen Schal verband. Auch an den Oberarmen befand sich immer das eine oder andere Hämatom, denn Joseph, der Christ, war im Bett ein Tier und nahm sich, was er wollte. Und er wollte Maria ganz und gar, ganz in christlichem Sinne, mit der dem Manne untertanen Frau. Davon ahnte Selina nichts.
Sie genoss das Behütetsein in ihrer Familie, und in ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, die sie seit zwei Jahren absolvierte, gab es, was ihre Schulkolleginnen anging, ganz andere Geschichten zu hören. Getrennte Elternpaare. Ungläubige, bei denen Selina sich fragte, ob die überhaupt das Recht hatten, Patientinnen und Patienten zu betreuen. Drogenmissbrauch in der Familie. Fremdgehende Väter. Das pralle Leben halt.
Und dann, kurz vor Selinas 21. Geburtstag, spürte sie es zwischen ihren Beinen, das Feuerchen. Damit ist nicht etwa Syphilis gemeint. Wo hätte die brave Selina sich die auch herholen sollen? Auch von einem Scheidenpilz ist nicht die Rede. Auch Vaginalpilze können unangenehm brennen, klar, bis man ihnen mit verdünntem Teebaumöl oder Naturjoghurt mit Milchsäurebakterien zuleibe rückt. Nein, Selinas Feuerchen war anderer Natur. Sie hatte es selbst entfacht, indem sie vor ein paar Tagen keck den Duschkopf auf ihre Mumu gerichtet hatte. Die Brause traf ihren empfindlichsten Punkt, Selinas Cliti, bei der es sich allerdings nicht einfach um einen Punkt handelt. Die Klitoris ist ein gewaltiges Organ mit über 4000 Nervendenden und zwei Schenkeln, den crura clitoridis. Sie können den gesamten Unterleib einer Frau zum Brummen, Vibrieren und Zucken bringen. Ja, und Selinas Unterleib hatte gezuckt, noch während sie unter der Dusche stand.
Selinas Dilemma
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