„Für meine Freundin eine Virgin Coco“, lachte Lara und zwinkerte dem Barkeeper zu. Somit hatte sie in aller Öffentlichkeit klargestellt, wie es um Selinas Sexleben stand. Sie selbst süffelte kurz darauf an einem Blue Curaçao.
Der Abend war sommerlich warm, ein leises Rauschen der Linden war zu hören, und etwas weiter drüben wummerte der Discosound.
„Ace of Base“, jubelte Lara. „All that she wants.“
„Der Sound ist zwar sowas von neunzehnhundertneunzig“, lachte Lorena, zu Selina gewandt, „aber es ist und bleibt die Musik, die einfach reinhaut. Eine Nineties-Dance-Track-Party. Haddaway. Pet Shop Boys. Dance2Trance. Du weißt schon.“
Selina wusste überhaupt nicht. Sie hatte diese Musik noch nie gehört, in den 1990er Jahren war sie ja noch gar nicht auf der Welt gewesen. Zuhause waren nur leise Kirchen-Choräle zu hören, sakrale Musik ohne einen Hauch von Rhythmus, bei allem Respekt vor den Harmonien. Aber eben. Eher etwas fürs gläubige Herz, aber keineswegs etwas für die lustvoll brodelnde Seele einer jungen Frau. Hier ging die Post schon ganz anders ab. Jede Menge gutaussehender Jungs verrenkten sich auf dem großen Tanzpodest, das wohl eigens herangekarrt worden war, und es gab da Frauen, die in Sachen Freizügigkeit selbst Sina in ihrem neckischen Gelben als kleine, süße Graumaus dastehen ließen.
„Hey Süße“, sprach sie ein ihr unbekannter Mann an. „Wanna dance?“ Ehe Sina es sich versah, hatte er ihr den Virgin Coco aus der Hand genommen und stellte ihn auf einer Steinplatte ab. Dann wurde Selina Teil der brodelnden Hormone, Teil der Dance-Track-199er-Jahre-Lust, Teil brünstiger Moves, die sie mitten in die Sünde hineinzogen.
Dann war da der Moment, in dem Brino, wie ihr Tanzpartner hieß, versuchte, Selina auf den Mund zu küssen. Energisch wehrte sie den jungen Mann ab und wand sich aus seiner Umarmung.
Selinas Dilemma
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