Die zwanzigjährige Selina wäre in einer größeren Menschenmenge kaum aufgefallen. Sie sah so aus, wie zwanzigjährige Frauen in etwa aussehen. BMI 23. Gewicht: 59 kg. Größe: 1.68 m. Körbchengröße: C. Haarfarbe: dunkelbraun. Augenfarbe: grün. Kleidungsstil: zumeist casual, Jeans, Shirt. Dann waren da noch ihre breiten Hüften und der vergleichsweise große Hintern, der die Blicke der Männer auf sich zog. Auch in größeren Menschenmengen. Im dicht gedrängten Fahrgast-Publikum in der Straßenbahn konnte es durchaus sein, dass der eine oder andere Schweinemann seine Lenden an Selinas Hintern presste. Einfach, um sie zu spüren.
Selina hatte zwei jüngere Geschwister, Emma und Joshua. Sie entstammte einer zutiefst christlichen Familie. Wenn der Papa abends, erschöpft von seinem Beamtenjob, nach Hause kam, fläzte er sich meist wortlos aufs Sofa und verschwand hinter der Tageszeitung. Es bestand der unausgesprochene Imperativ, dass Selina oder ihre Mutter ihm die Pantoffeln bringen mussten.
Selinas Mutter hielt den Haushalt auf Vordermann, kümmerte sich um die Erziehung der Kinder, pflegte den Garten, tätigte Einkäufe, betreute eine schwerbehinderte Nachbarin und ging einem Teilzeitjob als Krankenschwester nach, der auch Nachtdienste mit einschloss. Mit Ausschlafen nach dem Nachtdienst war allerdings nichts. Ihr Mann, der oft erst um 10:00 Uhr bei der Arbeit erscheinen musste, erwartete täglich sein Frühstück. Ein Spiegelei, eine knusprige Scheibe Brot, einen Cappuccino und ein Glas frisch gepressten Orangensaft. Rollenteilung in einer typischen orthodox-christlichen Familie eben. Gebetet wurde immer abends, vor und nach dem Essen und vor dem Zubettgehen.
Maria, Selinas Mutter, war eine Schönheit, wenn sie ihr Haar offen trug. Allerdings hatten ihre Augen den lebenslustigen Glanz, der ihnen früher zu eigen gewesen war, längst verloren.
Selinas Dilemma
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