„Er hat es so geschickt angestellt,“ begann sie leise zu erzählen, „und ich habs nicht bemerkt. Ich hatte Peter angerufen und mit ihm vereinbart, für mich wichtige Sachen aus der Wohnung zu holen. Er war aufmerksam. Und freundlich. Und hilfsbereit. Und verständnisvoll. Und so kam es dann zum ersten Kuss, für den er sich nach meinem Protest auch sofort entschuldigt hatte. Nein, vorher hatte er mich mehrmals in den Arm genommen, beim Sortieren von ein paar Sachen. Und beim zweiten Kuss, ich habe es zugelassen und es ist einfach passiert. Wir haben uns die Kleider vom Leib gerissen und wir hatten Sex.“
Dounja drückte sich nun noch fester an mich, so als ob sie doch Angst hätte, ich würde sie verstoßen. Schluchzend erzählte sie weiter. Er war rücksichtsvoller als sonst. Und er beteuerte mehrmals, dass er mich vermisst hätte. Ich hab mich einfach gehen lassen. Und bevor Du fragts“, sie schaute mich mit einem unsagbar verheultem Gesicht an, „ja, ich bin gekommen.“
Sie machte eine kurze Pause und drückte mir mehrere Küsschen auf die Brust. „Und nachdem ich gepeilt hatte, was da gerade passiert ist, kam schon seine Frage, wann ich denn meine Sachen von Dir holen möchte.“ Dounja richtete sich auf und meinte laut: „Dieses Arsch!“ Sie starrte eine ganze Weile ins Leere. „Und weiter…“ fragte ich.
„Ich bin fuchsteufelswild aus dem Bett gsprungen,“ jetzt war sie wieder in ihrer Ausdrucksweise, die ich so sympathisch an ihr finde, „hob meine Sachen zamgsuacht und hob mi im Wohnzimma anzogn.“ Ich erfuhr, dass er ins Wohnzimmer nachgekommen ist und sogar gefragt hatte, warum sie denn so aufgebracht wäre. Sie hat ihm eine, Zitat: „runterghaun“, reflexartig den Ordner mit ihren persönlich wichtigen Unterlagen genommen und fluchtartig die Wohnung verlassen. „Frag nicht, wie die Fahrt hierher war.“
Mit „Trink erst mal…“ bot ich ihr einen Schluck Wasser aus der Flasche neben meinem Bett an. Gierig leerte sie beinahe die Hälfte. Dann sah sie mich traurig an. „Darf ich bleiben?“
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