Sie spielte Cello

26 6-11 Minuten 0 Kommentare
Sie spielte Cello

Sie spielte Cello

Paul Magallas

Wir plauderten über dies und das, tauschten uns über Musik und das Leben als Musiker aus. Da mein Vater selbst einer war - mit demselben Instrument - und ich früher ganz gut als Geiger in Laien-Orchestern spielte, hatte ich doch etwas Ahnung. Irgendwann sah sie auf die Uhr an der Wand. Als sich abzeichnete, dass diese Begegnung bald ein Ende haben würde, gab ich mir innerlich einen Ruck. "Sie mögen mich vielleicht für verrückt halten, aber eine Frage treibt mich schon lange um: Wie ist das eigentlich, das Instrument zwischen den Beinen zu haben. Die Beine dafür zu öffnen…" "Sie meinen 'breitzumachen'" warf sie schelmisch lächelnd ein. "Nein, das klingt zu gewöhnlich, obwohl. Etwas hat davon hat es schon. Ich stelle mir das erregend vor, das Holz an den Innenseiten der Schenkel zu spüren, mit dem ganzen Körper der Musik zu folgen, die Resonanzen mit jeder Zelle aufzunehmen. Vielleicht haben die tiefen Frequenzen noch einmal einen besonderen Reiz, wenn sie sich über die Innenseiten der Schenkel übertragen." "Wenn Sie das so sagen und beschreiben, merke ich, dass ich noch nie darüber nachgedacht habe. Aber es stimmt schon: Es ist ein besonderes Gefühl. Geige könnte und wollte ich nicht spielen. Erstens klingt die so schrill in ihren hohen Tönen und die Haltung ist unnatürlich. Das Cello zwischen den Beinen zu halten, lässt mich meinen Schoß spüren. Aber vielleicht ist das jetzt auch typisch Frau." "Das glaube ich nicht", sagte ich plötzlich angefixt, hatte ich doch bei einem spirituellen Seminar einmal meinen eigenen Schoßraum - als Mann! - gespürt und erweitern lassen. Ein unglaubliches Gefühl.
"Nein Sie haben, -- ach, warum siezen wir uns eigentlich pausenlos, wenn's jetzt schon so intim wird. Du hast recht, es hat auch etwas Erotisches, Erregendes. Ekstase gehört ja irgendwie auch zu Musik". Das Gespräch hatte sich jetzt so entwickelt, dass ich ihr auch noch meine letzte Phantasie gestand. Ich erzählte von dem Konzert zu Füßen der Cellistin und meiner steigenden Lust, mit dem Instrument zu tauschen. Als es raus war, herrschte erst einmal Schweigen. "Jetzt hast du's verbockt", dachte ich. Sie sah mich lange an. Diese Augen! Das war ein Blick, in den ich mich einfach fallen lassen wollte: Undurchdringliches Dunkel, weich, aber auch zögerlich feurig. Es war, als ob es in ihr brodelte. Ausstrahlung und Intensität ihres Blickes wechselten, nahmen zu, ohne dass sie etwas sagte. "Komisch und irgendwie schon verrückt. Es scheint kein Zufall zu sein, dass du mir mit deinen besonderen Blicken im Saal aufgefallen bist. Ich gebe zu, ich begann es zu genießen, von dir so angeschaut zu werden und auch wie du mir beim Probelokal mit den Augen aufgelauert hast. Lass uns das für heute hier beenden". Ich war schon im Begriff, enttäuscht aufzugeben, als sie fortfuhr. "Hast Du Freitagabend zufällig Zeit? Dann komme mich doch besuchen - überall". Was sie damit wohl meinte?

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 9011

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben