Nur stimmte dieses Muster nicht immer. Es kam eine große Welle, die hatte ich im Griff. Ich tauchte unter und sah danach eine viel größere Welle auf mich zukommen. In meiner Panik wollte ich in Richtung Strand rennen, doch durch den Sog der alten Welle lief ich nur auf der Stelle. Das Wasser krachte über mir zusammen und schleuderte mich wie Treibgut ins flache Gelände. Dabei verlor ich beide Bikiniteile. Weitab glitzerte mein rotes Unterteil, aber sonst fand ich nichts mehr. Macht nichts, ich legte mich an dem noch menschenleeren Strand auf den Bauch. Jemand von der sportlichen Cockpitcrew würde schon bald vorbeijoggen und mir ein T-Shirt besorgen. Ich wartete bestimmt schon über eine Stunde und die Sonne fing zu brennen an. Wer Brasilien kennt, weiß, dass es außerhalb des Karnevals nicht in Ordnung ist, oben ohne durch die Gegend zu laufen. Es war inzwischen jedoch aussichtslos auf Hilfe zu warten. Also stand ich auf und tat so als ob das ganz normal wäre. Ich ignorierte die Blicke, die zwischen Bewunderung und Verachtung lagen, und überquerte die vierspurige Straße zum Hotel. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der Straßenpolizist seine Pfeife verlor und einem armen Hotelangestellten die eingesammelten Kakerlaken wieder auskamen, weil er mir zu lang nachgeschaut hatte. Es war halb neun und Hochbetrieb an der Hotelkassa. Ich betrat die Lobby und 200 Leute verstummten. Die Menschenmenge teilte sich wie das Rote Meer vor mir, während ich auf die Rezeption zuging und meinen Zimmerschlüssel verlangte. Das bemerkenswerteste jedoch war, dass ich noch Jahre später in diesem Hotel mit größter Aufmerksamkeit und Höflichkeit behandelt wurde.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.