Ich habe nichts dagegen, wenn ihr zusammen ausgeht oder er dich besuchen kommt. Willi weiß aber auch, dass er auf dich aufpassen muss. Das heißt, dass du eine gute, mittlere Reife ablegen sollst, um die Stelle als Sekretärin zu bekommen. Annegret, ich habe Wilhelm erklärt, was nötig ist, wenn du zu schludern anfängst! Er hat mein volles Vertrauen, was etwaige Erziehungsmaßnahmen betrifft…!“
Nun war es raus. Anne atmete tief durch. Sie war empört, traute sich aber nicht, dieser Gefühlsregung Ausdruck zu verleihen. Dazu kam dieser verflucht juckige Hosenboden, der sie beinahe um den Verstand brachte. Anne zog es vorerst vor, dieses Spiel mitzuspielen. Sie war ja schon über Willis Knien gelandet, aber das war etwas anderes gewesen. Dass er nun aber im Auftrag ihrer Mutter handeln sollte, schien ihr dann doch etwas unangemessen zu sein. Anne war immerhin 18 und obendrein ein rebellischer Teenager. Sie stocherte lustlos in ihren Kartoffelscheiben, sagte aber kein Wort. Renate schmunzelte. Sie kannte ja das Trotzköpfchen ihrer einzigen Tochter.
Später verabschiedete Anne ihren Willi vor dem kleinen Haus. Willi steckte sich eine Lucky an, deren Rauch er in die einsetzende Dämmerung blies. Anne wollte testen, wie weit er wohl gehen würde.
„Sag mal…du würdest mich also übers Knie legen, wenn ich mal keine so guten Noten schreibe…?“
Wilhelm sah in ihren wachen Augen, dass sie ihn musterte. Er antwortete also mit betont fester Stimme: „Ganz gewiss, Anne, das habe ich deiner Mama fest versprochen! Sei also lieber fleißig…!“
Sie streckte ihm die Zunge raus, was er jedoch mit einem Lächeln ignorierte. Dann küssten sie sich.
Als Willi auf sein Motorrad stieg, dachte Annegret an das, was ihre Mama gesagt hatte. Vielleicht war es doch passender, wenn Wilhelm ein Auge auf sie hatte? Anne grinste sich eins. War es nicht angenehmer über seinen Knien zu liegen als über Mutters Schoß?
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