Sirenen im Bad der Sibyllen

Geschichten vom Anfang der Träume

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Sirenen im Bad der Sibyllen

Sirenen im Bad der Sibyllen

Stayhungry

Nur vereinzelt fanden sich Damen, die seiner Ehegöttin an erotischer Ausstrahlung den Rang ablaufen konnten. Es war K. ganz recht, nicht stets daran erinnert zu werden, wie sinnlich das Leben sein konnte.

Natürlich gefiel es ihm, sich tagelang verwöhnen zu lassen, sich Hitze und eisigen Güssen im Wechsel hinzugeben und derart wohlig ermattet endlos zu schlafen und gelegentlich verstohlen den Blick in einer Dame Paradies zu wagen. Ob morgens oder abends, der Tisch war reichlich gedeckt mit vielfältigen Genüssen in edlem Ambiente, alles also eine echte Auszeit vom Alltag in trüber Jahreszeit, der weder er noch seine Frau etwas abgewinnen konnten. Ja, es mangelte an nichts in diesen Tagen - nun, um ehrlich zu sein, an fast nichts.

Wäre seine Göttergattin noch das lüsterne Biest, das sie als junge Frau gewesen war, sie hätte ihn noch mit Abendgarderobe schnell vor den Zimmerspiegel, die Kommode oder den Waschtisch gebeten, um frisch begattet, lustvoll entspannt und erfüllt von seinem Samen das Diner zu genießen, allein schon um nicht unruhig das Dessert herbeizusehnen und sich dann doch mit vollem Magen etwas erschwert wilden Verrenkungen hinzugeben. Ja, sie hatte es einst vorgezogen, vor Frühstück oder Abendessen intime Begegnungen einzufordern. Den sinnlichen Hunger noch hungrig zu stillen, war ihr stets ein Gewinn gewesen. Nach Völlerei und Weingenuss hatte ihr Trieb schon immer an Schwung verloren. Anders als damals schien ihr das heutzutage durchaus genehm. So hatte der abendliche Abschluss eines angenehmen, entspannenden Tages für K. letztlich nur einen wahren Trost, sich den kulinarischen Genüssen hinzugeben und weinselig den Geist zu benebeln. Deshalb war K. immer auch ein wenig betrübt, und dennoch stets bemüht, den schönen gemeinsamen Abend nicht durch aussichtslose Offenbarung des nur von ihm so empfundenen Mangels an Intimität zu stören.

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