Sirie

oder die Hexe vom Straßenrand

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"
"Denn das hier ist nicht die Welt der Maschinen, nicht die Welt des bedruckten Papiers. Hier gibt es keine Supermärkte".
"Du bist hier im Paradies. Aber es ist ein anderes Paradies, als das, dass euch eure Pfäfflein nach dem Tode predigen. Gewiß es gibt hier Wild im Überfluß. Aber es kommt nicht auf Zuruf, wenn man es aufessen will."
"Auch wachsen hier köstliche Früchte. Doch wachsen sie sehr hoch. Denn die Niedrigen haben bereits die kleineren Mitgeschöpfe gepflückt."
"Bevor du also wieder die tieferen Wonnen der Verschmelzung mit mir teilen darfst, musst du drei Prüfungen bestehen."
"Zuerst musst du mir einen Eber erlegen."
"Da gibt es so einen alten, eigensinnigen Einzelgänger. Sein Samen ist längst versiegt, seine Führungsrolle dahin, seine Zeit längst abgelaufen. Ein Jüngerer hat ihn aus der Rotte verjagt, aber er nimmt sein Schicksal nicht an. Er tötet die Ferkel seines Bezwingers, und wütet auch sonst sinnlos in meinem Garten. Erlöse ihn von seinem Wahn, und bringe mir sein Fleisch."
"Zur zweiten Prüfung, sollst du mir mit Zunder und Flint ein Feuer entfachen, um sein Fleisch darüber zu räuchern."
"Zum Dritten gerbe mir sein Fell, auf dass wir uns darauf lieben, wenn du all deine Pflichten erfüllt hast."
Ihre Forderungen erschienen Paul gerecht. Auch wenn er sie lieber nach Vollendung des lustvollen Spiels vernommen hätte. Dass es natürlich gleich ein ausgewachsener wilder Eber seien musste, machte ihm sehr zu schaffen. Lieber hätte er erst einmal mit einem alten Hasen angefangen.
Sirie schien seine Gedanken zu lesen, und grinste wissend. Aber sie war nicht bereit über die Bedingungen zu verhandeln. Sie reichte Paul einen schweren Speer, und eine graue Wildschweinborste dazu, die ihn zur Beute führen sollte.
"Ein bißchen Angst gehört zu jeder gerechten Jagd. Denn schließlich sollst du deinen Gegner ehren", munterte sie ihn auf. "Denke auch an deinen Lohn, und genieße die Schönheit deines Jagdreviers mit allen Sinnen.

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