Sirie

oder die Hexe vom Straßenrand

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Es erschien ihm als völlig selbstverständlich, dass Wildschweine vorwiegend in Eichenheinen zu finden waren, weil Eicheln ihre Lieblingsspeise sind. Den Speer in der einen, die Borste in der anderen Hand, verließ er die Lichtung. Ihm war, als währe etwas vom Jagdgeschick der Luchse auf ihn übergegangen. Denn seine Bewegungen waren nun deutlich geschickter. Er verursachte weniger Geräusche, und verließ sich in der herreinbrechenden Dunkelheit mehr aufs Gehör, als auf die Schärfe seiner Augen. Auch fühlte er jetzt förmlich die Ausstrahlung des Wildes, das scheinbar ungesehen seinen Weg streifte.
Einer sonderbaren Eingebung folgend, klemmte er sich die Wildschweinborste zwischen die Zähne. Da hatte er die Witterung auch schon in der Nase. Sie würde ihn sicher ans Ziel führen. Oft ging er auf alle Viere, um wie ein Jagdhund über den Boden zu schnüffeln.
Der Mond stand hoch am Himmel, als er die Rotte schließlich entdeckte. Es waren fünf Sauen mit zahlreichen Ferkeln, die im schützenden Kreis ihrer Mütter das Laub nach Fressbarem durchstöberten. Ein großer Keiler sicherte aufmerksam lauschend seine friedlich schmatzende Familie. Das war nicht Pauls Kandidat, denn das Tier war jung und schwarz.
Doch auch der graue Tyrann ließ nicht mehr lange auf sich warten. Paul spürte sein Nahen fast körperlich. Der Wind stand ihm entgegen. So stieg der Jäger in einen niedrigen Baum, um eine bessere Übersicht zu bekommen.
Das tat er keinen Augenblick zu früh. Denn gerade hatte er festen Halt in einer Astgabel gefunden, da donnerte der graue Riese auch schon auf seine Enkel zu, um den schützenden Kreis der Muttertiere zu durchbrechen. Ängstlich quiekend drückten sich diese dicht zusammen, um den Eindringling abzuwehren.
Plötzlich stieß der deutlich kleinere Eber dem grauen Riesen seine Hauer in die Rippen, und warf ihn aus dem Gleichgewicht. Der Aufprall ließ die Erde erzittern. Die Kraft dieser Tiere war ungeheuerlich.

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