Wie hätte er diesen Fleischberg auch sonst transportieren sollen?
Schon war er am Waldrand angelangt. Der Jäger sah bereits den umgestürzten Baumriesen, vor dem noch die erkaltete Feuerstelle zu erkennen war. Da fühlte er den Atem des Keilers auch schon im Nacken. Er rannte, wie er noch nie im Leben gerannt war. Wusste er doch schließlich, dass es auf Leben und Tot ging. Aber grimmig entschloß er sich, dass es des Keilers Leben kosten sollte. Denn er war am Baumstamm angelangt.
Daran wollte ihn sein Verfolger nun festnageln. Doch Paul kam ihm zuvor. Mit letzter Kraft rammte er den Lanzenschaft in den Boden, und hielt seinem Gegner die messerscharfe Spitze entgegen. Die Wucht des Anpralls war ungeheuerlich. Paul wurde in hohem Bogen über den Stamm geschleudert. Benommen rappelte er sich hoch...
"Eine eigentümliche Art, zu Jagen", hörte er da Siries Stimme. "Aber sehr effektiv, wie ich neidlos zugeben muss. Das Wild schafft sich selbst in die Speisekammer. Respekt!"
Mit diesen Worten glitt eine große Schleiereule herbei. Sie schüttelte sich kurz, und plötzlich saß da eine verdammt süße, nackte Hexe auf dem Stamm. Ein liebenswürdig spöttisches Grinsen lag in ihren Zügen, als er sich erschöpft hechelnd über den Baumstamm zog, um sein Werk zu betrachten.
Mit eigener Kraft hatte sich der Eber die Lanze der Länge nach durch den Leib gerannt. So ließ er sich ohne weitere Mühe über das Rauchfeuer hängen...
(Da Du, geneigter Leser, diese Geschichte aber sicher nicht aufgeschlagen hast, um etwas über die hohe Kunst der Wildschweinzubereitung, des Kürschnerhandwerks oder das Anlegen von Feuer mittels Feuerstein oder Reibholz zu erfahren, möchte ich Deine Geduld jetzt nicht weiter auf die Probe stellen. Widmen wir uns also wieder den wahrhaft fleischlichen Vergnügungen, die das Paradies ja erst eigentlich paradiesisch machen!)
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Sirie
oder die Hexe vom Straßenrand
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Sirie
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