Sirie

oder die Hexe vom Straßenrand

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Der Morgen war schon heraufgezogen, als endlich das Fell zum Gerben aufgespannt war. Das Feuer prasselte lustig zwischen den Felsen, und die Schinken hingen im konservierenden Rauch.
Interessiert, und mit eben jenem leichten Spott in den Zügen, welchen er besonders an Sirie schätzte, nahm das Hexlein die Prüfung ab.
Die Sonne begann gerade ihre tägliche Reise übers Himmelszelt, als er sich, unfähig jeglicher weiteren Regung, auf ein Lager aus weichem Gras fallen ließ. Paul sank sofort in tiefen Schlaf.
...Es träumte ihm von einer sonderbaren Welt, wie es sie wohl vor vielen Jahrhunderten einmal gegeben haben musste. Sie war voller Lärm. Die Luft stank und die Menschen lebten in eigenartigen beweglichen Blechgehäusen, aus denen heraus sie sich aus Leibeskräften beschimpften, wenn es zu Stauungen kam.
Auch gab es da sonderbare glänzende Vögel am Himmel, deren Flug ein mächtiges Getöse machte. Ihre feurigen Kloaken hinterließen weiße Wolken in der klaren Luft.
Waren die Menschen einmal nicht in ihren blechernen Gehäusen gefangen, so traf man sie in merkwürdigen Hallen, wo sie einem Gott namens Mammon huldigten. Sie brachten ihm die merkwürdigsten Opfer da.
Am liebsten nahm der Gott bedruckte Papiere und klimpernde Metallscheiben. Aber auch an Plastikkarten schien er sich leidlich zu erquicken.
Selbst vor Menschenopfern schreckte man nicht zurück, auch wenn die recht unblutig verliefen. Der Gott bevorzugte lebendige Sklaven, die ihm ihr Leben weihten. Fortan mussten sie buckeln, bis sie das Ziel des hohen Alters erreichten. Zum Lohn versprach Mamon ihnen dann bedrucktes Papier, für das sie nicht mehr buckeln mussten. Doch nun waren ihre Körper alt und ohne Freude...
Gerade wollten die Priester des Mammons auch Paul ergreifen, da wurde er vom sanften Druck heißer Schenkel geweckt...
Erleichtert schlug er die Augen auf, und erwachte im Paradies.

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Gedichte auf den Leib geschrieben