Beherzt trat er auf die Bremse, und brachte außer seinem, noch etwa dreiundfünfzig andere Autos zum stehen. Paul ertrug heldenhaft den Haß, der sich aus sechsunddreißig zornigen Autohupen über ihn ergoß.
Aber ihre Freude entschädigte ihn hundertfach für die erlittene Pein, während sie mit letzter Kraft ihren Rucksack durch die Tür schob, und sich auf den Beifahrersitz kämpfte.
Sie musste laut lachen, als sich der Bus wieder in unendlicher Langsamkeit in Bewegung setzte. Noch herzhafter lachte sie, als sie in den Rückspiegel blickte. Ein überirdisches Lachen, das ihre kastanienbraunen Augen magisch funkeln ließ.
Noch immer tanzten lustige Lachfältchen um ihren großen Mund. Die Tachonadel hatte sich bereits wieder über die fünfzehner Marke heraus gekämpft, da stellte er fest, dass sie ja schrecklich durstig seien musste. So beschrieb er der Wanderin, wo der Bordkühlschrank zu finden war. Sie schlüpfte sogleich zwischen die Sitze.
Dabei fing er einen herrlichen Duft ein. Kein verfälschendes Parfüm trübte diesen Genuß. Nur der natürliche Odem ihrer sonnenverwöhnten Haut kitzelte seine Geruchsknospen.
Mit einer Tüte kaltem Fruchtsafts in der Hand, lümmelte sie sich wieder behaglich in den Sitz. Entspannt stützte sie die nackten Füße aufs Armaturenbrett. Kühlend preßte das Mädchen die Tüte gegen seine Stirn. Sehr wohl registrierte sie aus den Augenwinkeln seine flüchtigen Blicke, die neugierig über ihre völlig entblößten Beine wanderten.
"Schön ausgerundet", dachte er bei sich; "etwas verschrammt vom Herumstreunen zwischen den hartnäckigen Sträuchern der Umgebung". Aber das gab ihnen eine faszinierend herbe Note.
"Deine Blicke sind ein größeres Kompliment, als tausend Worte", entfuhr es ihr da plötzlich in seine Träumerei hinein, bevor sie heißhungrig an der mühevoll geöffneten Tüte zu saugen begann. Paul fühlte eine leichte Röte im Gesicht aufsteigen.
Sirie
oder die Hexe vom Straßenrand
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Sirie
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