Sita, Mon Amour

Begierde - Teil 2

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Sita, Mon Amour

Sita, Mon Amour

Joana Angelides

Ja, jetzt wo sie es sagte, fiel mir das auch auf. Es ist doch unwahrscheinlich, dass nur Mädchen geboren werden! Was geschah mit den männlichen Nachkommen?  Wenn es außerdem so ist, dass alle Kinder von dem Guru gezeugt wurden, dann war das ja hier reinste Inzucht. Außerdem wäre die Frage zu klären, was diese Ereignisse in den Köpfen und Seelen der Kinder anrichteten? Sie sahen eigentlich völlig teilnahmslos zu, es war offenbar alltägliche Routine für sie.

Das Feuer war langsam niedergebrannt, die beiden Akteurinnen lagen ermattet da und rafften sich erst nach einer Weile auf. Der Guru hatte schon vorher den Kreis verlassen und die Mädchen gewähren lassen, so lange sie wollten. Eine der Frauen folgte ihm. Die letzten kleinen, spitzen Schreie der Beiden in der Mitte waren verklungen, sie erhoben sich eng umschlungen und mischten sich unter die anderen.
Die Alte schüttete Wasser auf die Glut, sammelte einige Gegenstände und die Matte ein und plötzlich war der Spuk vorbei. Alle verschwanden im Haus. Man hörte noch vereinzelte Stimmen, Weinen von Kindern, dann wurde es ruhig.

Ich löste mich von Sita und schlich mich zu dem Verschlag und öffnete ihn. Eine weibliche Gestalt war bis in das letzte Eck geflüchtet und drückte sich an die Wand. Der Verschlag war so niedrig, dass sie sich nur auf allen Vieren darin bewegen konnte. Sie war schmutzig, ihre Haare gingen ihr ins Gesicht und ihre Kleidung war zerrissen und ebenfalls schmutzig. Sie hatte einige Abschürfungen und Wundmale im Gesicht und an den Armen.
„Nein, bitte nicht mehr schlagen!“, sie sprach Englisch und weinte dabei.

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