Nun als Frau Schöller das sich anbahnende Schulhof-Drama beobachtete, fiel ihr das Motto ihrer Mutter wieder ein. Sophie hatte Chantal als Opfer ausgemacht, das sie wieder einmal vorführen wollte. Da Sophie Wollschlegel keine Grenzen kannte, fiel es ihr leicht, um die aufsteigenden Tränen in Chantal Müllers Augen als Ansporn zu nehmen. „Na, du kleine Asi-Maus! Hat dir der Papa ein Pausenbrot mitgegeben?“ Der Hofstaat amüsierte sich, während niemand Chantal beistand. Barbara Schöller stürmte die Treppen hinunter. Sie marschierte direkt auf Sophie zu, die gerade dabei war, Chantal mit Cola zu bespritzen. „Ist doch mal was anderes, als das billige Lidl-Zeug, oder?“ Barbara stellte sich vor Chantal. „Hör sofort auf, Sophie, der Spaß ist vorbei!“ Sie drehte sich zu Chantal, die verlegen auf der Stelle trat. „Wenn Sophie deine Kleidung kaputt macht, wird sie dafür aufkommen müssen!“
„Ha, kein Problem! Die billigen KIK-Klamotten bezahle ich gerne!“ Sophies penetrante Arroganz ärgerte Frau Schöller auf nicht unerhebliche Weise. Die Lehrerin verlangte eine Entschuldigung, die Sophie zähneknirschend hervorbrachte. Chantal beteuerte, dass sie die Kleider waschen würde und dass alles in Ordnung sei. Frau Schöller bohrte nicht weiter nach, um Chantal nicht noch mehr in den Fokus zu rücken. Sie ahne, dass sie andere Wege beschreiten musste, um zum Sitz der Vernunft durchzudringen, die bei Sophie besonders schwach ausgeprägt zu sein schien. Die grinste nämlich triumphierend, während Barbara Chantal ins Schulhaus führte. Später versuchte die Lehrerin, Chantals Gegenwehr zu aktivieren, was ihr aber nicht gelang. Das Mädchen war viel zu verunsichert, um sich gegen eine starke Persönlichkeit wie Sophie auflehnen zu können. Zwei Wochen später geschah etwas, das Frau Schöller in die Karten spielte. Eine ältere Kollegin stürmte aufgeregt in das Lehrerzimmer, in dem Barbara Schöler ihre Pause verbrachte.
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