Die Lateinlehrerin erzählte, dass sie Sophie Wollschlegel mit zwei schulfremden Männern gesehen hatte. Das Trio schien eine Zigarette zu teilen, was Frau Benjamin auf den Plan rief. Als sie näher kam, stieg ihr ein verdächtiger Geruch in die Nase. Melanie Benjamin konnte man guten Gewissens als 68-erin bezeichnen. Die kurz vor der Pensionierung stehende Lehrerin kannte das süßliche Parfüm, das ein guter Joint verströmte. Melanie stellte die Kiffer, die daraufhin das Weite suchten. Sophie nahm sie mit sich, wobei sie deren Schimpftiraden überhörte. Da Frau Benjamin keinen guten Draht zur Schulleitung pflegte, wandte sie sich an Barbara Schöller. „Würdest du dich um Sophie kümmern? Wenn wir den Vorfall Direktor Schmidt melden, wird er sie der Schule verweisen! Ich fände das höchst bedauerlich, zumal es sich ja nur um etwas Gras handelt…“ Barbara beruhigte ihre Kollegin, indem sie versprach, sich der Angelegenheit anzunehmen. Frau Benjamin schien beruhigt. „Super, Sophie sitzt draußen! Ich sag ihr dann, dass du mit ihr sprechen willst!“ Ein Leuchten erschien auf Barbaras Gesicht, das man nur unzureichend als freudig bezeichnen konnte. Barbara Schöller trank von ihrem Mineralwasser, da sich ihre Kehle plötzlich sehr trocken anfühlte. Sie dachte an Chantal Müller, die ein besonderer Mensch war. Chanti, wie sie ihre Lehrerin liebevoll nannte, entsprach überhaupt nicht dem Klischee, das mit ihrem Vornamen einher ging. Sie gehörte zu den Schülerinnen, die etwas aus ihrem Leben machen wollten, während Sophie alles in den Schoß fiel. Das hochnäsige Mädchen verließ sich auf den Papa, der im Zweifelsfall mit dem Scheckheft wedelte. Barbara konnte den arroganten Schönheitschirurgen auf den Tod nicht ausstehen. Trotz dieser Aversion hatte sie Sophie stets korrekt behandelt, auch wenn die Tochter ganz ihrem Vater nacheiferte. Da s ging die Tür auf.
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