entrüstete sich die Zwanzigjährige „Obwohl so groß und stark, ließ er es wehrlos zu, dass mein alter Vater ihn verprügelte. Und noch schlimmer war, er wagte es auch nicht, mich vor dem Gürtel zu beschützen. Ich wage gar nicht zu erzählen, was der väterliche Despot mit mir angestellt hat.“
„Ich habe Vater nie wirklich geliebt. Doch von dieser Stunde an, haßte ich ihn.“
„Sonntags ging er brav in die Kirche, und ließ sich all die Sünden vergeben, die er die Woche über beging. Denn er selbst, konnte nie die Finger von den Frauen lassen. Mich aber, strafte er für das kleinste Vergehen, und schimpfte mich eine Hure, wenn ich auch nur kniefrei trug. Und beim Schimpfen blieb es oft nicht.“
„Ähnlich behandelte er meine arme Mutter. Ja, mit meiner Mutter hatte er schon Recht. Sie war in der Tat dereinst eine „Käufliche“. Genau so ein armes Geschöpf eben, wie die anderen Mädchen, die in den schmutzigen Gassen für meines Vaters Vermögen schufteten.“
„Papa hatte als kleiner Zuhälter angefangen, und sich hochgearbeitet, bis er eine große Nummer unter den „Ehrenwerten Herrschaften“ war. Mama war sehr schön. Sie mußte nicht lange für ihn anschaffen. Er machte sie schnell zu seinem „Privatspielzeug“, und schließlich zu seiner Ehefrau. Aber sie war weder glücklich, noch hat sie diese Ehre lange überlebt. Eine Autobombe... Männer wie mein Vater haben viele Feinde....
„Die Klosterschule war zwar streng, aber es gab auch Engel unter den Nonnen. Bei der Einkleidung entdeckte Schwester Ramona jene Spuren, welche die Wut meines eifersüchtigen Vaters auf meiner Haut hinterlassen hatte. Sie kannte wunderbare Heilsalben. Ich habe viel von ihr gelernt. Drei Fremdsprachen, und einiges über Medizin“
„Sie war es auch, die meine Flucht organisierte. Denn auch wenn ich Volljährig war, ich konnte nicht so einfach gehen. Die „Ehrenwerte Gesellschaft“ übte auch hier Einfluß. Dieses Kreuz ist die einzige Erinnerung an jene mutige Schwester.
Mein Erzeuger hatte mich einem treuen Geschäftspartner zur Ehe versprochen. Drei Tage vor der Hochzeit war ich über die Klostermauern entschlüpft. Du kannst dir vorstellen, dass er vor Wut glüht, und mich regelrecht jagt. Ich hab nur noch wenig Geld. Jetzt weiß ich nicht wohin“...
Juliana brach in Tränen aus.
Ganz Gentleman, nahm ich sie natürlich tröstend in den Arm. Zwar erregte mich ihre körperliche Wärme durchaus, doch war ich auch leicht befangen...
„Ich muß jetzt meinen Rundgang machen“, erklärte ich, als sie sich wieder gefangen hatte.
„Entschuldigen sie mein albernes Verhalten“, entgegnete Juliana, als sie ihre Tränen getrocknet hatte. „Es ist mir peinlich, dass ich sie mit meinen Problemen belästigt habe.“ Verlegen lächelte sie mir nach, als ich die Tür schon hinter mir schließen wollte.
„Wohin fahren sie eigentlich?“ ...erkundigte ich mich dann doch. Denn sie war wirklich bildschön, ...ich war ihrem Reiz verfallen, und wollte auch nicht als Feigling dastehen...
„Ich weiß es nicht. Hauptsache weit weg“„In zwei Stunden sind wir in Hamburg. Dann habe ich Feierabend“, rief ich im Fortgehen.... „Ein ganzes Wochenende lang. Ich habe nur eine kleine Wohnung. Aber wenn sie wollen, zeige ich ihnen gern die Stadt. Auf meinem kleinen Sofa schläft es sich hervorragend. Dort können sie sich überlegen, wie es weiter gehen soll.“
Die Sizilianische Nacht
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