Anke, Rainers Freundin, war nach ihrer "öffentlichen Rasur" nicht leer ausgegangen. Ein kleines Haus an der Côte d'azur war ihr feierlich übergeben worden, weil sie sämtliche Einschaltquoten der Fernsehgeschichte gesprengt hatte. Die Bereitschaft, der Öffentlichkeit sogar ihren Anus zu zeigen und sich von Corda Mihalis nibbeln, dribbeln und knibbeln zu lassen, hatte sie aller bisherigen materiellen Sorgen enthoben.
Klaus Lerf war Fleischer von Beruf. Liebling der jungen Mütter im Quartier, weil er den Sprösslingen bei jedem Einkauf eine Wurstscheibe verfütterte. Lerf verbrauchte pro Jahr so an die dreissig Würste. Der Return on Invest war gigantisch. Nicht nur gelang es ihm, die Kundinnen in anzügliche Gespräche zu verwickeln, deren Inhalt er sorgfältig notierte. Er verstand es auch, ihre Blicke auf seine Hände zu lenken. Grosse, sehnige Metzgerhände, die lustvoll das Eigelb ins Hackfleisch manschten, Plätzchen panierten und Marinaden verfeinerten. Klaus Lerfs Hände kannten aber noch ganz andere Einsätze. Viele Quartiermütter waren sexuell ausgehungert. Blieb der Mann immer länger auf Geschäftsreise, verkrümelte er sich bis zum Mondeinbruch im Garten, besessen an Tujahecken schnipselnd, füllte er allabendlich vor dem TV seinen viel zu grossen Bauch mit Bier ab, war klar: Da lief in erotischer Hinsicht gar nichts mehr – und das würde für alle Zeiten so bleiben. Die Familie wurde zur kleinen Firma – und wer schläft schon mit seiner engsten Mitarbeiterin respektive seinem engsten Mitarbeiter?
Da sprang Klaus Lerf in die Bresche. Neben dem Kühlraum mit den gefrorenen Schweins- Rinds- und Kalbsstücken befand sich ein kleiner, aber gemütlich eingerichteter Raum, der eigentlich nur aus einer Matratze bestand. An den Wänden hingen Bilder in warmen Orange-Tönen. In einem Schränkchen verwahrte Lerf Dessous und Liebesspielzeug – so es denn so weit kam.
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