Vielen Familien blieben im besten Fall 500 Euro im Monat. Der Landeskonkurs war sozusagen über Nacht gekommen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen.
Jan und Karin sassen auf Levkas fest. Die Schwimmbrücke war gesperrt worden.
Kurzum: Es wurde ein bisschen ungemütlich auf Levkas. Da und dort wurden Brandsätze geworfen, völlig spontan, gegen unbeteiligte Passanten. Dann wiederum waren Schreie zu hören. Zerstrittene Familien, bei denen die desolate finanzielle Situation an den Tag kam. Jan und Karin wussten: Sie hatten auf dieser Insel nichts mehr verloren. Und ausgerechnet jetzt fehlte die Brücke, die sie aufs – auch nicht unbedingt sicherere – Festland geführt hätte.
Die Stimmung war besonders am Hauptort angespannt – viele Restaurants, Bars und Tavernen öffneten schon gar nicht erst. Nun gibt es Menschen – und zu ihnen gehörte Jan – deren sexuelle Lust sich angesichts unmittelbar drohender Gefahr ins Unermessliche steigert. Das lässt sich nicht so einfach erklären – möglicherweise geht es dabei um ein atavistisches Verhaltensmuster: Tiere, die direkt an Leib und Leben bedroht sind, suchen eine letzte Gelegenheit zur Paarung, um ihren Nachwuchs doch noch zu sichern. Da Menschen ja auch nichts anderes sind als eine Tierart, lässt es sich womöglich so erklären, dass Jan seine Karin in einer kleinen, etwas abseits gelegenen Taverne fiebrig zu streicheln und zu liebkosen begann. Der Wirt war gerade in einer andern Taverne zu gange, in Richtung Ortszentrum. Dort wurden die Gäste gleich in die Küche gebeten, wo sie sich ihre Schafsplätzchen und Souvlaki selber aussuchen konnten.
„Heeey…“, sagte sie nur. Karin hatte schon etwas viel Ouzo getrunken und war ungewöhnlich enthemmt. Jans Zärtlichkeit an einem öffentlichen Platz machte sie an – hier auf dieser kleinen Insel. Zuhause wäre Derartiges undenkbar gewesen. Sie öffnete ihre Schenkel so, dass ihr Mini hochrutschte; Karins kitzekleines rosa Höschen leuchtete neckisch.
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