Sommerliebe

Tinas Geschichte - Teil 19

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Stayhungry

Seine vorherigen Beziehungen waren zu stark von Beruf und Freizeitstress geprägt gewesen, hatten dauerhaft keine Mitte gefunden, er schien es zu genießen, eine unkomplizierte, konventionelle Struktur in sein Leben zu bekommen, nicht mehr auf der Suche sein zu müssen.

Johanna eiferte, als ihr der dauerhafte Charakter von Alberts Anwesenheit bewusst wurde, doch er warb sanft um sie, ließ sich nicht nerven. Schließlich lenkte sie ein und versuchte, ihn für sich zu pachten. Er hatte in der Kinderbetreuung kein besonders zupackendes Wesen, warf sich nicht sofort zu ihr auf den Boden. Aber er war hellhörig und entgegenkommend, überließ ihr den aktiven Part und war geduldig, wenn sie trotzte. Juanita, Juanita, so rief ich sie auch gerne nach ihrem Vater, und so sang er sie an. Meist wurde sie ruhig und lauschte seinem leisen Singsang. Nach einigen Wochen stand in seiner Wohnung ein Reisebettchen, das sie schnell akzeptierte. Denn den Park jenseits der Straße liebte sie, so dass die Wochenenden sich zunehmend in Alberts Wohnung verlagerten. Irgendwann beschwerten sich meine Eltern augenzwinkernd, ob Johanna denn plötzlich gar nicht mehr zu ihnen kommen sollte. Das nahmen wir zum Anlass, zusammen Tangounterricht zu nehmen. Es tat uns gut, denn auch der schönste Alltag ist eben nur Alltag und braucht gelegentlich den Ausbruch.

Unsere erotische Beziehung, mit der alles begann und die alles verband zwischen uns, war geprägt von blindem Verstehen. Sein kraftvolles Verlangen zog mich stets ein wenig in den Bereich des Ungewissen, aber es führte kein Eigenleben, war ausnahmslos gerichtet auf mich und meine Befriedigung, nicht meine Unterwerfung oder Demütigung. Ich vertraute ihm zunehmend und konnte mich fallen lassen ohne Angst, mich ausleben ohne Zurückhaltung. Schon nach kurzer Zeit hatte er mich über seinen negativen HIV-Test informiert.

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